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Vater telefoniert mit seinem Sohn auf dem Arm und macht Hausarbeit
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Wie helfen wir den Jüngsten durch die Corona-Krise?

Geschlossene Schulen und Kitas, kaum Kontakte zu Freunden – dafür gestresste Eltern rund um die Uhr. Die Corona-Pandemie ist für viele Kinder und Jugendliche eine schwere Belastung. Wie verkraften die Jüngsten diese Ausnahmezeit? Und wie können wir ihnen dabei helfen? Die Berliner Journalistin und Mutter Sandra Arens hat nach Tipps und Ratschlägen für lange Lockdown-Tage gesucht und berichtet über ihr Familienleben in der Warteschleife.

Es ist soweit: Forscher belegen, was viele Eltern lange nur gespürt haben: Die Corona-Krise belastet die Psyche von Kindern und Jugendlichen erheblich. Wie eine großangelegte Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Kinder sind hyperaktiver, haben emotionale und Verhaltensprobleme. Sie leiden unter Ängsten und Schlafproblemen, sind gereizter, haben Kopf- oder Bauchschmerzen. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien. Anspannung, Druck, Einsamkeit und Stress spüren aber sicher alle Kinder, weltweit. Sie erleben eine neue Wirklichkeit, die zum Teil nur noch wenig mit ihrem alten Leben zu tun hat. Strukturen brechen weg, Freundschaften sind auf Eis gelegt und Eltern bangen um ihre Existenz; und das seit nunmehr einem Jahr.

Wir gehören zu diesen „Corona-Familien“. Wir – das sind mein Mann und ich und unsere beiden Kinder Juli und Jonas. Seit einem Jahr ist unsere Berliner Wohnung zum Lebensmittelpunkt geworden. Damals, vor Corona, sah das ganz anders aus: Wir verbrachten die meiste Zeit auf Spielplätzen, bei Freunden, im Sportverein und natürlich in Schule, Kita und am Arbeitsplatz. Nun also: Wohnung, 3. Stock, ohne Garten. Am Anfang war alles ein großes Abenteuer für die Kinder. Während wir Eltern abends im Fernsehen bangend die Fallzahlen steigen sahen, konnten die Kinder, fünf und neun Jahre alt, das Ausmaß der Krise nicht gänzlich begreifen – zum Glück. Sie fanden es aufregend, zu Hause zu bleiben, die Wohnung auf den Kopf zu stellen und keine Termine zu haben. Jonas, unser Sohn, ging vorher vier Mal die Woche zum Sportverein. Nun freute er sich über die Pause.

 

Ein Kind langweilt sich in seinem Kinderzimmer

Aus Abenteuer wurde Langeweile, aus Langeweile Stress

Doch die Aufregung legte sich bald – und es dauerte nicht lange, da standen die Kinder schon morgens um 6 Uhr an unserem Bett und fragten: „Was machen wir heute?“ Die Antwort ist seit einem Jahr in etwa dieselbe: „Papa geht arbeiten im Krankenhaus, Mama sitzt am Schreibtisch, du machst deine Hausaufgaben und deine Schwester beschäftigt sich hoffentlich ein bisschen allein.“ Wie langweilig das klingt! Ich kann es verstehen. Aber was war und ist die Alternative? Die Kinder vermissen ihr Leben. Jonas fehlt das Schwimmtraining und seine Basketballkumpels. Er sehnt sogar die Schule herbei und natürlich seine Freunde. Seiner kleinen Schwester geht es genauso. Ihr Sporttraining findet nur noch digital statt – ein abstraktes Unterfangen für eine Fünfjährige. Und wir Eltern? Quälen uns mit schlechtem Gewissen. Tun wir genug für die Kinder? Wie vereinbaren wir ihre Betreuung mit unserer Arbeit? Sind sie glücklich genug? Nach einem Jahr Corona haben wir noch immer keine Antworten auf all diese Fragen – und ein Erfolgsrezept erst recht nicht. Aber was wir haben, ist Erfahrung. Zu viert sind wir durch die Aufs und Abs des letzten Jahres marschiert. Haben uns zusammen gelangweilt, uns auf die Palme gebracht, uns vertragen und manchmal auf den Mond gewünscht. Ein Gutes hat all das: Ein paar Strategien haben wir gefunden, wie unser Leben trotz Corona bunt bleiben kann. Und die möchten wir gerne teilen.

Sandra Arens

freie Journalistin; Gastautorin

Bildnachweis

  • Familie; © micromonkey/stock.adobe.com
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