Wer denkt bei seinem Nachwuchs bei Morgensteifigkeit und einem geschwollenen Knie schon an Rheuma? Diese Krankheit trifft doch nur Ältere, oder?
Gesundheit

Juvenile idiopathische Arthritis

Jedes Jahr erkranken etwa 1.500 Kinder in Deutschland neu an Gelenkrheuma, von Medizinern auch Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) genannt. Insgesamt gibt es etwa 15.000 betroffene Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik, über 80 Prozent davon sind Mädchen. „Unter dem Kürzel JIA werden verschiedene Rheumaformen bei Kindern unter 16 Jahren zusammengefasst, die sich in Erkrankungsbild, Erkrankungsbeginn und ihrer Prognose unterscheiden. In allen Fällen ist mindestens ein Gelenk entzündet“, erklärt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER. Ursache ist eine Störung des Autoimmunsystems. Das körpereigene Abwehrsystem, das eigentlich den Körper vor Eindringlingen schützen soll, richtet sich gegen die Gelenkinnenhaut, wodurch es zur Entzündung kommt. In der Folge wird mehr Gelenkflüssigkeit gebildet, und das Gelenk schwillt an.

Die schwierige Suche nach der Ursache

„Gerade kleine Kinder können ihre Beschwerden noch nicht klar äußern und nehmen zunächst häufig eine Schonhaltung ein. Außerdem können Veränderungen im Verhalten auftreten. Das Kind möchte morgens nicht mehr aufstehen, ist häufig schlecht gelaunt, weniger leistungsfähig oder will nicht mehr selbst laufen“, so Marschall. Eltern bemerken bei ihren Kindern in dieser Zeit vielleicht, dass das betroffene Gelenk sich warm anfühlt, und das Kind es nicht mehr belasten möchte, weil es stark schmerzt. Oft ist zunächst das Kniegelenk betroffen, und das Kind hinkt. JIA kann sich aber zusätzlich auch in verschiedenen Organen äußern. Je nach Form können die Augen, Nieren oder auch die Haut zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen werden. „Die Diagnosestellung ist oft nicht einfach. Je nachdem, wie schnell die Eltern einen Kinderarzt aufsuchen, und wie schnell dieser das Puzzle aus Symptomen und verschiedenen Testergebnissen zusammensetzt, kann die Überweisung an einen Kinderrheumatologen recht lang dauern. Doch je früher JIA erkannt und konsequent therapiert wird, desto größer sind die Chancen, die Gelenkentzündung einzudämmen und die Bewegungsfreiheit wiederherzustellen. Wird die Erkrankung nicht therapiert, kann das betroffene Gelenk allmählich zerstört werden, und Fehlhaltungen, Wachstumsstörungen sowie Muskelschwund können die Folge sein“, so die Expertin.

Eine Heilung ist nicht möglich, mit der richtigen Therapie und einem frühzeitigen Therapiebeginn bestehen aber gute Chancen, die Erkrankung zur Ruhe zu bringen. Im Bereich der Arzneimittel werden stadienabhängig zunächst nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verschrieben, die schmerzund entzündungshemmend wirken. Nach Rücksprache mit dem Facharzt kommen auch sogenannte Biologika zum Einsatz. Die Therapie von Kindern mit JIA sollte möglichst fachübergreifend stattfinden und neben den Arzneimitteln auch Krankengymnastik, Ergotherapie und physikalische Maßnahmen beinhalten. Auch eine Psychotherapie kann sinnvoll sein, um die seelischen Nöte der kleinen Patienten behandeln zu können. Für Eltern gibt es Selbsthilfegruppen, in denen sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können. Solch ein Netzwerk kann ebenfalls sehr hilfreich sein.

Das Plus für BARMER-Versicherte: PädExpert

Bei JIA sind eine schnelle Diagnosestellung und ein schneller Beginn der Therapie besonders wichtig. Versicherte, die am Kinder- und Jugendprogramm teilnehmen, können von PädExpert profitieren. Mit Hilfe dieses telemedizinischen Mitbeurteilungssystems können sich Pädiater jederzeit online mit einem Fachkollegen, in diesem Fall mit einem Kinderrheumatologen, kurzschließen, und sich in Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle unterstützen lassen. Damit fallen für die Familien zusätzliche Besuche beim Spezialisten weitgehend weg und Patienten erhalten schnell eine Diagnose, die fachärztlich gesichert ist.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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