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Die geheime Welt der Pilze

Pfifferlinge, Champignons & Co. sind jedem wohl bekannt. Doch, das ist nur ein Bruchteil einer Welt, die weitestgehend im Verborgenen existiert. Dabei bilden Pilze mit Millionen von Arten das zweitgrößte Organismenreich der Erde. Das Osnabrücker Museum am Schölerberg, Natur und Umwelt – Planetarium, macht sie nun zu den Stars einer eigenen Ausstellung, die bis zum 26. Januar 2020 zu sehen sein. Ein drei Meter hoher Fliegenpilz, vor dem Eingang des Museums, lässt erahnen, was Gäste in der Ausstellung erwartet. Eine Welt voller Gegensätze, verblüffender Fakten und Superlative – von winzigen Pilzsporen bis zum größten Lebewesen der Welt. Die Vielfalt und Talente der Pilze sind schier unendlich und das Leben auf dieser Welt ohne sie undenkbar. 

Weder Pflanze, noch Tier! Was sind Pilze überhaupt?
Lange wurde angenommen, dass zwei große Gruppen an höheren Lebewesen die Erde besiedeln: Pflanzen und Tiere. Doch mittlerweile weiß die Wissenschaft es besser. Pilze gehören weder zu den Tieren noch zu den Pflanzen. Sie bilden ein eigenes Reich. Das, was von ihnen als gemeiner Pilz sichtbar ist, ist meist nur der Fruchtkörper. Der wahre Organismus lebt im Untergrund. Es ist ein fein verzweigtes Geflecht aus Fäden, das sogenannte Mycel. Es zieht sich kilometerlang durch den Waldboden oder taucht als Schimmel in derMarmelade auf. Manche Pilze dagegen sind Einzeller und finden sich als Hefe im Brot und Bier. Die Ausstellung „Die geheime Welt derPilze“ öffnet die Augen für das versteckte Reich: Was sind Pilze überhaupt? Wo leben sie? Wovon ernähren sie sich? Wie pflanzen sie sich fort? Wie lange gibt es sie schon? Fast drei Meter hohe Pilzmodelle versetzen Besuchende in die Ameisenperspektive, während unter dem Binokular der Mikrokosmos derPilzwelt entdeckt werden kann. Bunte Schimmelpilzkulturen in Petrischalen wirken wie abstrakte Kunstwerke. Zeitrafferaufnahmen lassen Pilze im Rekordtempo wachsen und Lebensmittel schimmeln. Riechstationen überraschen mit intensiven Gerüchen – vom leckeren Trüffel- bis zum üblen Aasgeruch der Gemeinen Stinkmorchel, die damit Fliegen anzieht und über die Insekten ihre Sporen verbreitet. In der Abteilung Pilze als Parasiten wird es noch skurriler. Hier befallen sie Insekten und machen sie zu echten Zombies.

Von der Delikatesse zur Droge – Nutzen und Schaden von Pilzen
So vielfaltig ihre Formenvielfalt, so vielfältig sind auch ihre Funktionen. Pilze sind echte Alleskönner und nahezu überall im Alltag präsent. Sie sind die Recycling-Spezialisten der Natur und sorgen für neues Wachstum. Daneben erweisen sie den Menschen enorme Dienste. Blauschimmelkäse, Antibiotika, Waschmittel oder ein kühles Pils – nichts geht ohne Pilz! Auch das zeigt die Ausstellung im Museum am Schölerberg. Überdimensional große Drogenpilze, sogenannte Psilos, deuten an, dass Pilze seit der frühsten Menschheitsgeschichte unsere Kultur prägen und das nicht nur als Speisepilz.  Völkerkundliche Aspekte wie die traditionelle Indianerheilkunde, Utensilien des Schamanismus und sogar Repliken der Gletschermumie „Ötzi“ haben ihren Platz in der Ausstellung. Eine Märchenecke begeistert Groß und Klein gleichermaßen.  

Vom Sommertrüffel zum Satanspilz – Regionale Artenvielfalt entdecken
Für die Ausstellung öffnet das Museum am Schölerberg auch seine eigene wissenschaftliche Sammlung. An die hundert Pilzpräparate vermitteln die regionale Artenvielfalt und lassen interessierte Pilzsammlerinnen und -sammler auf Ihre Kosten kommen. Eine Keramikpilzsammlung verblüfft mit der Gegenüberstellung von Speise- und Giftpilzen. Erschreckend – die Ähnlichkeit von Champignon und Grünem Knollenblätterpilz! Letzter ist übrigens Pilz des Jahres 2019 und verantwortlich für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen in Mitteluropa.

Pilzberatung, Wanderungen und Workshops
In Kooperation mit dem Natur- und Geopark TERRA.vita und den Pilzfreunden Osnabrück bietet das Museum am Schölerberg außerdem von Mai bis Dezember ein pilziges Begleitprogramm an. Pilzexkursionen, Pilzberatungen, Pilzstammstische, kulinarische Workshops, ein großes Pilzfest – die Praxis kommt nicht zu kurz! Die Ausstellung selbst ist dank der Unterstützung verschiedenster Leihgeber entstanden und in dieser Form einmalig zu sehen. Gefördert wird sie von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, der Haarmann-Stiftung Umwelt und Natur, der Stiftung derSparkasse Osnabrück und dem Landschaftsverband Osnabrücker Land.

Weitere Informationen unter: www.museum-am-schoelerberg.de