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Gesundheit

„Ich bin so allein!“

Corona macht einsam – vor allem Kinder. Während wir Eltern häufig wenigstens über die Arbeit noch mit anderen in Kontakt bleiben können, fehlt es Kindern oft an Spielgefährten. Da können wir Eltern uns noch so anstrengen, ein Buch nach dem anderen vorlesen oder mit Playmobilmännchen über den Fußboden robben; das kindliche Spiel mit Gleichaltrigen können wir nicht ersetzen. Bereits im Frühjahr 2020 zeigten Ergebnisse der Studie „Kind sein in Zeiten von Corona“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI), wie stark Kinder unter der Einsamkeit des ersten Lockdowns litten. Auch hier waren vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien die Leidtragenden. Aber die Isolation spüren letztendlich alle. Auch ich merke nach mittlerweile einem Jahr deutliche Auswirkungen. Obwohl unsere beiden Kinder streckenweise immer mal wieder in die Notbetreuung gingen, da mein Mann als Arzt zur systemrelevanten Berufsgruppe gehört, fehlt beiden ein verlässliches und konstantes Netzwerk aus Freunden und anderen Bezugspersonen. Meine Tochter – quirlig, frech und selbstbewusst – klebt neuerdings wieder fest an mir. Vor allem im Umgang mit fremden Menschen, sei es bei einem Arztbesuch oder im Supermarkt, ist sie deutlich zurückhaltender geworden. Ich spüre einfach: Sie ist den Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen einfach nicht mehr gewöhnt. Nur mit Gleichaltrigen taut sie völlig auf. Was ihr ebenfalls guttut: der Kontakt zu ihren Erziehern und Kita-Freunden – wenn häufig auch nur digital. Unsere Kita ist hier vorbildlich: Die Erzieher schreiben Briefe, schicken kleine Geschenke, versenden selbst eingesprochene Märchengeschichten als Audio-Datei und organisieren „Online-Konferenzen“. Juli saugt alles auf. Dass Kindern ein solcher Kontakt guttut, bestätigt auch die Studie des Deutschen Jugendinstituts: Kinder und Jugendliche bewältigen demnach die Krise besser, wenn sie Kontakt zu Freunden und pädagogischen Fachkräften halten. Aber was tun, wenn es diesen Kontakt nicht gibt?

Wir haben uns ein paar zusätzliche Strategien überlegt

• Briefe schreiben und Bilder malen

Unsere Kinder haben Spaß daran, ihren Freunden, aber auch Oma und Opa, echte Briefe zu schicken. Juli versendet regelrechte Liebesbriefe an ihre Freundinnen und Jonas schreibt der Oma, wie es bei ihm mit dem Sport vorwärtsgeht.

• Online-Meeting mit den Großeltern

Wir haben die Großeltern tatsächlich seit einem Jahr nicht mehr besucht. Über digitale Konferenzräume bleiben wir dennoch in Kontakt. Jonas übt so sogar mit der Oma Englisch und auch Juli winkt nur allzu gern in die Kamera.

• Ab an die frische Luft!

Wenn gar nichts mehr geht, geht’s raus! An der frischen Luft treffen die Kinder immer mal wieder ihre Spielkameraden, können Basketball spielen, über die Klettergerüste toben und den Kopf freibekommen.

• Zuhören!

Auch wenn wir Eltern gestresst sind und häufig mit dem Kopf ganz woanders: Wir sollten immer wieder versuchen, die Ängste und Sorgen der Kinder zu hören. Manchmal hilft es beispielsweise unserem Sohn schon, wenn wir mal abends außer der Reihe Monopoly mit ihm spielen, während seine kleine Schwester schon schläft. Oder Juli kuschelt sich einmal öfter als sonst nachts zu uns ins Bett. Solche Ausnahmen und Besonderheiten helfen den Kindern, sich von uns ernstgenommen zu fühlen.

Sandra Arens

freie Journalistin; Gastautorin

Bildnachweis

  • Einsamkeit; © New Africa/stock.adobe.com
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