Startseite Gesundheit Schwitzen im Sommer
Junger Mann in weißem T-Shirt schwitzt unter glühend heißer Sonne und tupft sich den Schweiß mit einem Handtuch ab.

Ohne Schweiß wird’s bald zu heiß

Der Sommer ist einfach großartig, wäre da nur nicht der Schweiß, der mit der Hitze stetig aus allen Körperporen rinnt. Salzig-klebrig steht er auf der Haut und hängt feucht in der Kleidung fest. Schwitzen ist oft unangenehm wegen der Nässe, der Schweißflecken auf der Kleidung und der Gerüche, die damit einhergehen. Trotzdem ist Schwitzen aus gesundheitlichen Gründen wichtig. Und die unangenehmen Begleiterscheinungen lassen sich mildern.

Bei heißen Temperaturen kommen wir ruckzuck ins Schwitzen, selbst wenn wir ganz entspannt im Liegestuhl liegen. Das liegt daran, dass der menschliche Körper seine Temperatur ständig an seine Umweltbedingungen anpasst. Ein gesunder Körper hält stetig eine Innentemperatur von etwa 37 Grad Celsius. Der Hypothalamus, eine wichtige Schaltzentrale im Gehirn, hütet diesen Wohlfühlwert und sorgt dafür, dass dieser möglichst konstant bleibt (Thermoregulation). Er bildet Hormone, mit denen wesentliche Körperfunktionen reguliert werden, auch das Schwitzen.

Auch die Haut spielt eine Rolle bei der Regulierung dieses Wertes. Sie schützt den Körper vor Austrocknung und übermäßiger Belastung durch Hitze oder Kälte. Mit steigenden Temperaturen erwärmt sie sich in der Sonne, das Blut zirkuliert schneller im Kreislauf. Erst recht natürlich, wenn wir beispielsweise Beachvolleyball am Strand spielen oder in der Sonne wandern. Dann liefern unsere Muskeln noch mehr Wärmeenergie, die über das Schwitzen stark reguliert werden muss.

Damit verändern sich die Umweltbedingungen für den Körper, seine Temperatur steigt. Prompt startet der Hüter im Gehirn ein Abkühlprogramm: Er lässt Schweiß produzieren, der das Zuviel an Wärme über die Schweißdrüsen in der Haut schnell nach außen transportiert und die Hautoberfläche zusätzlich kühlt. Zwischen zwei und vier Millionen Schweißdrüsen auf der Haut übernehmen diese verantwortungsvolle Aufgabe. Wie schnell jemand ins Schwitzen kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem von der genetischen Veranlagung. Aber auch das Alter kann eine Rolle spielen. Bei manchen Menschen reagiert der Körper rascher auf Wärme und sorgt früher für Abkühlung, bei manchen eher später.

Würde die Wärme nicht abtransportiert, könnte der Körper überhitzen. Das passiert auch, wenn wir uns nicht rechtzeitig in den Schatten zurückziehen oder den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen nicht genügend ausgleichen. Kopfschmerzen, Kreislaufversagen oder ein Hitzschlag können die Folge davon sein. Zur Vorbeugung gilt besonders im Hochsommer: viel und regelmäßig trinken und rechtzeitig aus der Sonne gehen, natürlich auch, um Sonnenbrand zu vermeiden.

Schwitzen ist nicht gleich schwitzen

Gesundes, thermoregulatorisches Schwitzen ist ein wichtiger Schutzmechanismus für den Körper. Es gibt jedoch Formen, die es gegebenenfalls genauer zu beachten gilt:

  • Übermäßiges, anfallartiges Schwitzen sollte mit einem Arzt abgeklärt werden. Die Ursachen dafür können vielfältig sein: eine Krankheit, ein Infekt, der die Immunabwehr des Körpers herausfordert, oder hormonelle Ursachen wie eine Schilddrüsen-Überfunktion, die Wechseljahre oder eine Schwangerschaft, auch Übergewicht, das den Kreislauf belastet.
  • Fieber ist ein Programm des Körpers, das die Immunabwehr unterstützt. Die vorübergehend steigende Körpertemperatur soll Viren abtöten. Wir schwitzen bei Fieber, um die Binnentemperatur unter Kontrolle zu halten. Steigt Fieber über 40 Grad an, muss unbedingt der Arzt informiert werden.
  • In den Wechseljahren kann die hormonelle Umstellung neben Beschwerden wie Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen auch Hitzewallungen und Schweißausbrüche auslösen. Manche Frauen haben zeitweise so oft Schweißausbrüche, dass ihr Alltag davon beeinträchtigt ist. Meist lassen solche Hitzewallungen nach etwa vier bis fünf Jahren nach.
  • Emotionale Ursachen wie Stress, Unbehagen, Aufregung, Wut und Angst fordern das limbische System im Körper heraus. Der kurzfristig gereizte Sympathikus-Nerv verschafft manchen Menschen starke Schweißausbrüche (emotional regulatorisches Schwitzen).
  • Als Hyperhidrose wird anfallartiges Schwitzen im Übermaß bezeichnet. In der „primären“ Variante betrifft die Krankheit Körperregionen wie Gesicht, Füße, Hände oder Achseln, seltener den gesamten Körper. In der „sekundären“ Variante ist das zentrale periphere Nervensystem gestört und Auslöser. Eine Hyperhidrose kann die Lebensqualität der Betroffenen wesentlich einschränken und belasten. Zur Klärung und Therapie sollte ein Arzt konsultiert werden.
Junge Frau sprüht sich mit Deo ein

Vorbeugen, bevor es müffelt

Schwitzen reguliert das Wohlfühlklima im Körper. Die Schweißdrüsen, die den Abtransport der Körperwärme ermöglichen, sind über den gesamten Körper verteilt und sitzen in der Lederhaut-Schicht. Am dichtesten kombiniert sind sie im Bereich der Achseln, Handflächen und Fußsohlen und im Schambereich. An diesen Stellen schwitzen wir spürbar und sichtbar schneller. Schweißflecken unter den Armen und an Schienbeinen und ein unangenehm „schwitziger“ Handschlag sprechen oft Bände davon.

Ganz frischer Schweiß ist eigentlich geruchsarm. Auf der Hautoberfläche verändert sich das. Schweiß enthält viel Wasser, das verdunstet und die Haut so abkühlt. Dazu kommen noch Mineralstoffe, Zucker, Harnsäure, Milchsäure und Fettsäure. Bakterien auf der Haut spalten diese Fettsäure auf in säuerlich riechende Ameisensäure und ranzig riechende Buttersäure – und schon müffelt es unangenehm unter dem Arm.

Schweißgeruch ist sozial sehr verpönt, deshalb gibt es über das regelmäßige Duschen hinaus zahlreiche Produkte in Form von Sprays, Roll-ons, Cremes und Feuchttüchern zur Abhilfe, mit Deodorants („Deos“) oder Antitranspirants bzw. Kombinationen aus beidem.

  • Deodorants enthalten antibakterielle Wirkstoffe, die den Zersetzungsprozess auf der Haut einige Zeit aufhalten, außerdem Duftstoffe, die möglichen Schweißgeruch überlagern.
  • Antitranspirants hemmen die Schweißbildung mit Aluminiumverbindungen, welche die Schweißdrüsengänge verengen und antimikrobiell wirken. Äußerlich im Einsatz werden sie nur geringfügig von der Haut aufgenommen, dennoch werden Aluminiumsalze medizinisch oft kritisch gesehen.
  • Natürliche Inhaltsstoffe, sensitive und hautpflegende Komponenten wie Aloe vera und zarte Düfte wie Verbene, Limone und Wildrose liegen ganz im Trend. Die Kosmetikindustrie verzichtet auf Aluminiumsalze und setzt beispielsweise auf Präbiotika (Nährstoffe, die das Bakterienwachstum hemmen) und Probiotika (lebendige Mikroorganismen, die positiv auf die Haut wirken). Nachhaltig sind zudem kompakte Deo-Stifte oder nachfüllbare Deo-Roller, die Verpackung sparen.

Zehn Tipps für den Ausgleich

  • 1) Genügend Trinken

    Im Sommer gilt prinzipiell, regelmäßig und genügend zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen. Möglichst jedoch keine eiskalten Getränke, auch wenn sie scheinbar fix erfrischen. Lauwarme Getränke wie Kräutertee helfen dem Körper, die Binnentemperatur besser auszugleichen. Kalte und auch heiße Getränke müssen erst einmal auf die passende Körpertemperatur gebracht werden. Das verbraucht Energie und erzeugt wiederum Wärme, die reguliert werden muss.

  • 2) Leichte Speisen

    Essen Sie gern scharf oder fett? Trinken Sie viel Kaffee, Schwarztee oder Alkohol? Das regt den Blutkreislauf an und löst Schwitzen aus. Im Sommer empfehlen sich eher leichte Speisen und – siehe Tipp 1 – lauwarme Getränke.

  • 3) Lauwarm Duschen

    Was für Getränke gilt, gilt auch fürs Duschen zur Abkühlung und Reinigung. Nach einer eiskalten Dusche muss der Körper seine Binnentemperatur ebenfalls neu regulieren, was nach der ersten Gänsehaut neuerliche Schwitzanfälle auslösen kann. Besser ist es, lauwarm zu duschen.

  • 4) Luftige Kleidung

    Luftige, atmungsaktive Kleidung tragen, die einen Wärmerückstau auf der Haut vermeidet und auch die Nässe des Schweißes schnell abtransportiert und trocknet. Stoffe aus Leinen und Baumwolle und spezielle Funktionswäsche sind hilfreich.

  • 5) Reizende Wirkstoffe

    Antibakterielle Wirkstoffe in Deos können bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen, weil sie die Hautflora verändern. Schweißhemmende Aluminiumsalze in Antitranspirants können wiederum Juckreiz und Hautirritationen auslösen.

  • 6) Vielseitiger Salbei

    Auf Salbei (Salvia officinalis) haben schon unsere Großeltern gesetzt. Die Blätter des Salbeis enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe, Diterpene, Triterpene und Flavonoide. Salbeitee wirkt antimikrobiell, antiviral, antihidrotisch (schweißhemmend) und adstringrierend (zusammenziehend) auf die Schleimhäute. Im Sommer bietet sich an, Salbeitee lauwarm oder kalt zu trinken und so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Flüssigkeit ausgleichen und Schwitzen reduzieren.

  • 7) Deos selbst herstellen

    Auch Apfelessig ist wirksam, weil er die Schweißdrüsen zusammenzieht und die Bakterienbildung reduziert. Abends damit einreiben und morgens wieder mit Wasser abwischen. Wie man Deos ganz einfach selbst herstellen kann, Anleitungen, um Deos selbst herzustellen.

  • 8) Praktische Pads

    Praktisch fürs Büro: In Drogerien erhält man selbstklebende Pads, die man in der Kleidung im Achselbereich anbringen und jederzeit austauschen kann.

  • 9) Hilfreiches Rasieren

    Wer sich unter den Achseln und gegebenenfalls auch im Intimbereich rasiert, reduziert die Oberfläche für Bakterien, die den Schweiß zersetzen.

  • 10) Training für die Drüsen

    Man kann die Funktion der Schweißdrüsen sogar ein wenig trainieren, beispielsweise durch regelmäßigen Sport oder Saunabesuche.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation


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