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Gesundheit

Jede Minute zählt!

Jeder Schlaganfall – egal welche Ursache er hat – ist ein Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden muss. Denn mit jeder Minute, die vergeht, steigt das Risiko für bleibende Schäden. Noch immer tragen bis zu 40 Prozent der überlebenden Schlaganfall-Patienten dauerhafte Einschränkungen davon. Um das zu verhindern, ist es wichtig, dass Angehörige die Symptome eines Schlaganfalls erkennen können.

Der FAST-Test hilft bei Unsicherheiten

Eine große Hilfe bei der Einschätzung von Symptomen ist der sogenannte FAST-Test. FAST steht für Face (Gesicht), Arm, Speech (Sprache) und Time (Zeit). Mit ihm können Angehörige die häufigsten Symptome bei einem Schlaganfall einordnen. So funktioniert er:

F: Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Verzieht sie dabei das Gesicht einseitig, deutet das auf eine Gesichtslähmung hin.

Arm: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung (meist einseitig) kann ein Arm die Hebung und/oder Drehung nicht mitvollziehen.

Speech: Gelingt es der betroffenen Person, einen einfachen Satz nachzusprechen? Falls nein oder ist dieser Satz nur sehr undeutlich, ist das ebenfalls ein Warnsignal.

Time: Ist bereits einer der drei Tests auffällig, müssen Sie sofort die 112 wählen – jetzt zählt jede Minute.

Die häufigsten Schlaganfall-Symptome im Überblick

Über die drei im FAST-Test abgefragten Auffälligkeiten hinaus gibt es weitere Warnsignale, die auf einen Schlaganfall hinweisen können. Hier finden Sie nochmal alle häufigen Symptome im Überblick:

  • Sehstörungen

    • Einschränkungen des Gesichtsfelds (Betroffene übersehen beispielsweise Gegenstände oder Menschen auf einer Körperseite
    • Störungen des räumlichen Sehens (Orientierungslosigkeit)
    • Gefühl, durch eine beschlagene Brille zu schauen
  • Sprach- und Sprachverständnisstörungen

    • Stockende, abgehackte Sprache
    • Silbenverdreher oder Verwendung falscher Buchstaben
    • Verwaschene, lallende Sprache
    • Sprechen im Telegrammstil
    • Vollständiger Sprachverlust (in seltenen Fällen)
    • Sprachverständnisstörungen (die Person versteht nicht, was zu ihr gesagt wird)
  • Lähmung und Taubheitsgefühl

    • Einseitige Lähmung (bekanntes Beispiel: herabhängender Mundwinkel)
    • Gestörtes Berührungsempfinden (zum Beispiel wie bei einem eingeschlafenen Fuß)
    • Pelziges Gefühl auf einer Körperseite
  • Schwindel und unsicherer Gang

    • Plötzlich auftretender Schwindel
    • Gefühl, Gleichgewicht und Koordination zu verlieren

     

    Ein weiteres Schlaganfall-Symptom ist plötzlich auftretender Schwindel, verbunden mit Gangunsicherheit. Schwindel wird unterschiedlich empfunden: Der Betroffene kann das Gefühl haben, Karussell zu fahren (Drehschwindel) oder auf einem Schiff auf bewegter See zu sein (Schwankschwindel). Manche Betroffene fühlen sich auch, als ob sie mit einem Fahrstuhl hinuntersausen würden. Generell ist Schwindel mit dem Empfinden verbunden, das Gleichgewicht und die Koordination zu verlieren.

  • Sehr starke Kopfschmerzen

    • Vorher nicht gekannte, sehr heftige Kopfschmerzen
    • Übelkeit und Erbrechen
Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden muss.

Time is Brain! So wichtig ist Erste Hilfe – und so funktioniert sie

Die größte Chance, einen Schlaganfall effektiv zu behandeln und Folgeschäden zu verhindern, besteht innerhalb der ersten Stunden nach dem Beginn der Symptome. Treten die ersten Warnsignale auf, tickt also die Uhr! Lesen Sie hier, was dann zu tun ist

  1. Wählen Sie den Notruf 112
    Viele Menschen scheuen sich, einen Rettungswagen zu rufen. Diese unangenehmen Gefühle muss niemand haben. Es ist besser, den Rettungsdienst einmal zu viel als zu wenig zu rufen. Niemand wird es Ihnen zum Vorwurf machen, wenn es sich um einen „Fehlalarm“ handelte.
  2. Ruhe bewahren und vermitteln
    Bleiben Sie bei der betroffenen Person und beruhigen Sie sie, bis Hilfe eintrifft. Achten Sie darauf, dass der oder die Betroffene keine Getränke oder Speisen zu sich nimmt, weil der Schluckreflex beeinträchtigt sein könnte.
  3. Fenster öffnen
    Sorgen Sie, wenn möglich, für frische Luft und möglichst freies Atmen (Krawatten, Schals lockern etc.).
  4. Stabile Seitenlage anwenden
    Lagern Sie die Person mit erhöhtem Oberkörper. Wenn sie bewusstlos ist, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Eine genaue Anleitung finden Sie hier.
  5. Herz-Druck-Massage
    Kontrollieren Sie die Atmung. Wenn sie aussetzt, beginnen Sie mit einer Herz-Druck-Massage. Wie das funktioniert, können Sie hier nachlesen.

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden muss. Denn mit jeder Minute, die vergeht, steigt das Risiko für bleibende Schäden.

Was passiert im Krankenhaus? Untersuchungen und Diagnose

Bei einem Schlaganfall gilt es, so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu kommen. Der Rettungsdienst bringt Patienten mit Schlaganfall-Verdacht im besten Fall in das nächste Krankenhaus mit einer Schlaganfall-Spezialstation – einer sogenannten Stroke Unit. Das sind Akutstationen, die meist aus vier bis acht Betten bestehen und über alle Möglichkeiten der Überwachung verfügen. Im Krankenhaus wird sofort die Diagnose mittels Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) gestellt. Beide Verfahren liefern Bilder des Gehirns. So lässt sich zwischen einer Durchblutungsstörung (die Ursache für ca. 85 Prozent der Schlaganfälle) und einer Hirnblutung (Ursache von ca. 15 Prozent der Schlaganfälle) unterscheiden. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, denn danach richtet sich die Art der Behandlung, die dann unverzüglich eingeleitet wird. In einigen Fällen kann nicht immer sofort eine Ursache für den Schlaganfall gefunden werden. Deshalb werden in den folgenden Tagen auf der Stroke Unit weitere Untersuchungen durchgeführt.

  • Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT)

    Untersuchungen, die Bilder des Gehirns liefern.

  • Angiographie

    Bei der Angiographie werden die Blutgefäße im Gehirn dargestellt. Die Bildgebung geschieht meist mittels Röntgenstrahlen, heutzutage jedoch vermehrt auch mit Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT).

  • Blutuntersuchungen

    Ausführliche Blutuntersuchungen können weitere Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörungen nachweisen.

  • Ultraschalluntersuchung (Doppler- und Duplexsonographie)

    Um im Falle einer Durchblutungsstörung festzustellen, wie stark die betroffenen Blutgefäße verengt sind, wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung der Hals und Nackenarterien durchgeführt.

  • Echokardiographie (Ultraschall)

    Die Ultraschalluntersuchung des Herzens ist sinnvoll, um Veränderung am Herzen festzustellen.

  • Elektrokardiogramm (EKG)

    Herzrhythmusstörungen können mit einem Elektrokardiogramm diagnostiziert werden. Außerdem kann mit dem EKG ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden.

  • Elektroenzephalogramm (EEG)

    Mit Hilfe eines EEGs werden die Gehirnströme mittels Elektroden gemessen. Störungen der Gehirnströme zeigen, ob nach einem Schlaganfall eine Neigung zu epileptischen Anfällen besteht.

  • Lumbalpunktion

    Diese Untersuchung erfolgt nur in seltenen Fällen. Dabei entnimmt der Arzt mit einer feinen Nadel etwas Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal. Diese Untersuchung wird durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Gehirn- oder Gefäßentzündung besteht und andere diagnostische Verfahren keine Klarheit gebracht haben. Ein anderes Beispiel für den Einsatz der Lumbalpunktion ist, wenn der Verdacht auf eine Blutung in den Raum zwischen Gehirnoberfläche und Hirnhaut (Subarachnoidalblutung) besteht und diese durch eine Computertomographie (CT) nicht nachgewiesen werden konnte.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Die größte Chance, einen Schlaganfall effektiv zu behandeln, besteht innerhalb der ersten Stunden nach dem Beginn der Symptome – ganz nach dem Motto: Time is Brain. Die Behandlung richtet sich ganz nach der Ursache des Schlaganfalls:

Behandlung eines Hirninfarkts

Liegt ein sogenannter ischämischer Schlaganfall vor, bei dem es zu einem Gefäßverschluss kommt, gilt es, die Durchblutung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Oberstes Ziel ist, dass so wenig Gehirngewebe wie möglich abstirbt. Eine Behandlungsmöglichkeit ist die Thrombolyse (auch Lyse genannt). Dabei wird ein Medikament verabreicht, das das Gerinnsel auflösen soll. Das Zeitfenster dafür ist allerdings eng. Die Therapie sollte möglichst innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome beginnen.

Bei größeren Blutgerinnseln, die nicht allein durch Medikamente beseitigt werden können, kann die sogenannte Thrombektomie eingesetzt werden. Dabei wird das Gerinnsel im Gehirn durch einen Katheter entfernt, der in die Leiste des Patienten eingeführt wird. Der Katheter durchbohrt den Thrombus – also das Blutgerinnsel – und umschließt ihn mit einem Stent. So kann er über einen Hohlkatheter abgesaugt werden.

Behandlung einer Hirnblutung

Bei einer Hirnblutung geht es darum die Blutung zu stoppen und Schädigungen durch das austretende Blut zu vermeiden. Um das zu erreichen, wir der Patient am offenen Gehirn operiert. Dabei wird versucht, Blut aus den Zwischenräumen der Hirnstruktur abzusaugen. Um den Druck auf das Gehirn zu reduzieren, kann es in seltenen Fällen notwendig sein, Teile des Schädelknochens zu entfernen. Dieser Teil wird wiedereingesetzt, wenn sich die Schwellung zurückgebildet hat.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation


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