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Schüssel mit rotem Reis

Vorsicht: Roter Reis kann gefährlich sein!

Wer unter einem hohen Cholesterinspiegel leidet und nach Alternativen zur Schulmedizin sucht, stößt im Internet oder in Drogeriemärkten oftmals auf pflanzliche Präparate, die roten Reis enthalten. Die Produkte werben damit, dass der Cholesterinspiegel auf natürliche Weise gesenkt wird. Was ist dran an diesem Versprechen und was ist überhaupt roter Reis?

Roter Reis: Vielfältige Anwendungsgebiete

In Asien ist roter Reis, auch Rotschimmelreis oder wie im Englischen Red Rice genannt, seit mehreren tausend Jahren bekannt. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig. Rotschimmelreis wird zum Färben, Aromatisieren und Konservieren von Lebensmitteln, insbesondere von Fisch- und Fleischgerichten, verwendet. Die traditionelle chinesische Medizin setzt Rotschimmelreis bei Magen-Darm- und Herz-Kreislaufbeschwerden ein.

Rotschimmelreis entsteht durch Fermentation, wenn Reis mit bestimmten Schimmelpilzstämmen der Gattung Monascus versetzt wird. Dabei bilden sich ein roter Farbstoff und Stoffe, die eine cholesterinsenkende Wirkung im menschlichen Körper entfalten. Diese werden auch als Monakoline bezeichnet. Das sogenannte Monakolin K ist von der chemischen Struktur sogar identisch mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Lovastatin, der in vielen Cholesterinsenkern eingesetzt wird. Solche Medikamente sind aufgrund der starken Wirkung nicht ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Genau so stark wie Medikamente aus der Apotheke

Je nachdem wie hoch die Dosierung ist, hat jedoch ein pflanzliches Produkt mit Monakolin K eine gleichstarke Wirkung wie Medikamente, die Lovastatin enthalten. Das gilt allerdings nicht nur für die Wirkung, sondern auch für die Nebenwirkungen. Ebenso wie Lovastatin können Präparate mit rotem Reis Muskeln, Nieren und Leber schädigen. Auch Hautreaktionen und Darmstörungen sind möglich. Monakolin K kann wie Lovastatin die quergestreifte Muskulatur angreifen. Hierzu zählen die Skelett- und Herzmuskulatur sowie das Zwerchfell. Wenn dann aus den zerstörten Muskelzellen das Muskeleiweiß Myoglobin in größeren Mengen austritt, kann es nicht über die Niere ausgeschieden werden. Das Organ verstopft. Dies führt schlimmstenfalls zu einem tödlich endenden Nierenversagen.

Bei Red Rice-Produkten keine Kontrolle der Folgen

Schon im Februar 2016 hat deshalb eine gemeinsame Expertenkommission des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sowie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Rotschimmelreis-Produkte ab einer Tagesdosis von 5 mg Monakolin K als Arzneimittel eingestuft. Arzneimittel dürfen in Deutschland nur vertrieben werden, wenn sie zugelassen sind. Denn über die Zulassung wird Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen. Höherdosierte Rotschimmelreis-Produkte, die nach wie vor als Nahrungsergänzungsmittel gelten, dürfen daher in Deutschland nicht mehr vermarktet und auch nicht mehr importiert werden.

„Aber auch bei Präparaten, die weniger als 5 mg Monakolin K enthalten, sollte man vorsichtig sein“, warnt BARMER-Arzneimittelexpertin Heidi Günther. „Wer beispielsweise empfindlich auf medizinische Cholesterinsenker, die sogenannten Statine, reagiert, der wird höchstwahrscheinlich auch bei der Einnahme von Rotschimmelreis-Produkten ähnliche gesundheitliche Probleme bekommen.“ Außerdem könne eine zusätzliche Einnahme zu den ärztlich verordneten Arzneimitteln leicht zu einer Überdosierung führen. Hinzu käme, so Apothekerin Günther, dass die sogenannten Red Rice-Produkte nicht wie Arzneimittel auf den Hauptwirkstoff Monakolin K standardisiert werden und deshalb die Dosis pro Kapsel schwanken kann.

Michaela Del Savio

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation

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