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Trauer

Nicht nur das oft trübe, nass-kalte Wetter schlägt vielen Menschen im November aufs Gemüt, auch die zahlreichen sogenannten stillen Gedenktage tragen ihr Übriges dazu bei. Nach Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2. November) folgen noch der Volkstrauertag, der Buß- und Bettag sowie der Totensonntag. Sie alle haben dazu geführt, dass der November auch als Trauermonat bezeichnet wird. Doch obwohl es laut dem Statistik-Portal statista allein im Jahr 2017 in Deutschland 932.272 Sterbefälle gegeben hat, scheint in unserer Gesellschaft kaum Platz für einen offenen Umgang mit dem Tod zu sein. Und auch nicht für Trauer. Dabei gehört der Verlust eines geliebten Menschen zu den einschneidendsten Erlebnissen.

Was ist Trauer?

Die Psychologie beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. 1915 sagte Sigmund Freud: „Trauer ist eine normale Reaktion auf eine abnorme Situation“. In den 1970er Jahren wies der Psychoanalytiker Collin Murray Parkes darauf hin, dass Trauer der stärkste Stress ist, den ein Mensch überhaupt erfahren kann. Einen weiteren Meilenstein setzte in den 1980er Jahren die Schweizer Psychotherapeutin Verena Kast, indem sie ein Vier-Phasen-Modell der Trauer. entwickelte. Dieses Modell hat der WDR in einem Video anschaulich erklärt.

Wie äußert sich Trauer?

Trauer ist ein Prozess, den jeder sehr individuell erlebt und der sich bei jedem unterschiedlich äußern kann. Bei manchen Menschen geschieht dies vor allem durch körperliche, bei anderen durch seelische Beschwerden. Häufig ist es aber auch ein Mix aus physischen und psychischen Leiden. Zu den Symptomen zählen unter anderem:

  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Nervosität
  • Erschöpfung
  • Kopf- und Herzschmerzen
  • Verzweiflung
  • Schmerz
  • Wut
  • Einsamkeit
  • Angst
  • Schuldgefühle
  • Hoffnungs- und Freudlosigkeit

Mit Trauer umgehen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Für den Umgang mit Trauer gibt es kein Patentrezept. Was bei dem einen hilft, muss nicht automatisch auch dem anderen gut tun. Hier muss letztlich jeder seinen eigenen Weg finden. Allerdings gibt es Tipps, die sich bei vielen Trauernden bewährt haben. So empfiehlt beispielsweise Dr. Adelheid Gassner-Briem, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, auf der Website www.medizinpopulaer.at:

  • Gefühle annehmen
    Erlauben Sie sich Ihre eigenen Emotionen und gestatten Sie sich zu weinen. Das Bemühen, mit aller Kraft stark zu sein, schadet Ihnen.
  • Gespräche suchen
    Reden Sie mit Familienmitgliedern oder Freunden über Ihren Verlust. Das tröstet nicht nur, sondern festigt auch die Bindung zwischen den Hinterbliebenen.
  • Rituale finden 
    Täglich wiederkehrende Handlungen wie beispielsweise der Gang zum Friedhof oder das Anzünden von Kerzen helfen, den Verlust anzuerkennen und damit leben zu lernen.
  • Zeit lassen
    Trauerreaktionen sind unterschiedlich lang und ­intensiv. Versuchen Sie nicht, Ihren persönlichen Trauerprozess zu beschränken, sondern gönnen Sie sich die Ihnen gemäße Auszeit.
  • Hilfe holen
    Wenn Sie bemerken, dass Sie über Ihrem Kummer das eigene Selbst verlieren und die Trauer in eine Depression übergeht, suchen Sie fachärztlichen Rat und psychotherapeutische Begleitung.

Trauernden beistehen

Für Angehörige und Freunde ist die Situation oft ebenfalls nicht leicht. Aus Angst, das Falsche zu tun oder zu sagen, ziehen sich manche ganz zurück; andere wiederum erdrücken Trauende geradezu mit Anteilnahme und Fürsorge. Gassner-Briem rät:

  • Emotionen zulassen
    Geben Sie Trauernden die Gelegenheit, ihre Gefühle und Tränen zu zeigen. Falsche Ratschläge wie „Nimm dich zusammen!“ oder „Gönn dir ein Vergnügen!“ schaden dem Gegenüber und behindern dessen Trauerarbeit.
  • Trost spenden
    Zeigen Sie mit kleinen Aufmerksamkeiten wie einem Anruf, einem E-Mail oder kurzen Besuch Verbundenheit in der Not. Signalisieren Sie: „Ich bin für dich da.“
  • Zuhören statt reden
    Stilles Mitgefühl und stumme Zuwendung bedeuten oft mehr als Worte. Mit oberflächlichem Trost („Glücklicherweise ist sonst nichts passiert“) und leeren Redensarten („Das Leben geht weiter“) ist Trauernden jedenfalls nicht gedient.
  • Geduld aufbringen
    Messen Sie den seelischen Schmerz von anderen nie mit eigenen Maßstäben. Bedenken Sie, dass auch Liebeskummer, Trennung, Kündigung oder eine Fehlgeburt Verlusterfahrungen sind, die unterschiedlich heftige Trauerreaktionen auslösen.
  • Achtsam sein
    Trauernde leiden an Wochenenden, Feiertagen und vor allem Jahrestagen besonders stark. Speziell bei betroffenen jungen oder alten Menschen besteht dann erhöhte Suizidgefahr.

Hier gibt es Hilfe

Wenn Gespräche mit Angehörigen und Freunden nicht die erhoffte Unterstützung bringen, können und sollten Trauernde sich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine Anlaufstelle ist die Telefonseelsorge. Die geschulten Mitarbeitenden haben täglich rund um die Uhr ein offenes Ohr und sind unter 0800-111 0 111 oder – 0800 111 0 222 erreichbar.

Eine Alternative sind Selbsthilfegruppen. Diese sind inzwischen in vielen Städten und Gemeinden zu finden. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung sein. Eine Übersicht über Trauergruppen und Trauercafes in Deutschland gibt es unter www.trauergruppe.de.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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