Bluttransfusion
Gesundheit

Blut sparen,
Patienten schützen

Wenn Prof. Dr. Dr. med. Kai Zacharowski über Patient Blood Management (PBM) spricht, wird schon nach wenigen Sätzen deutlich, wie sehr dieses Thema ihm am Herzen liegt. Bereits seit einigen Jahren setzt sich der Klinikdirektor am Universitätsklinikum Frankfurt gemeinsam mit Kollegen – mittlerweile weltweit – dafür ein, die wertvolle Ressource Blut nicht unnötig zu vergeuden.

In Deutschlands Kliniken werden jährlich mehr als 16 Millionen Operationen durchgeführt. Im Vorfeld der meisten Eingriffe werden vorsorglich passende Blutpräparate bereitgestellt, um Blutverluste unter der OP bei Bedarf rasch ausgleichen zu können. Ein Vorgehen, das schon vielfach Leben gerettet und verlängert hat. Diese zweifellos positive Wirkung von Bluttransfusionen und die recht unproblematische Verfügbarkeit von relativ sicheren Blutprodukten hat hierzulande zu einem recht verschwenderischen Umgang damit geführt. Dies belegen etwa Vergleichszahlen aus anderen europäischen Ländern. Während in Deutschland im Durchschnitt 57,5 Einheiten Blut pro 1.000 Einwohner übertragen werden – und damit mehr als in jedem anderen europäischen Land – sind es beispielsweise in den Niederlanden nur 27,1 Einheiten.

Risiko Transfusion

Unnötige Transfusionen zu vermeiden, ist das Ziel von Patient Blood Management. Neben dem positiven Effekt der Ressourcenschonung geht es vor allem auch um die Gesundheit und die Sicherheit der Patienten. Denn unabhängig von dem unbestreitbaren Nutzen, den Fremdblut-Transfusionen in lebensbedrohlichen Fällen haben, bleibt für die Empfänger stets ein Restrisiko. Tatsächlich stellt die Übertragung von Fremdblut laut Zacharowski immer eine „Mini-Transplantation des flüssigen Organs Blut” dar, verbunden mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die jeder Transplantation innewohnen. So kann es beispielweise zu einer Überforderung des Immunsystems, allergischen Reaktionen oder – trotz aller Sicherheitsmaßnahmen – Übertragung von Bakterien und Viren kommen.

Prof. Kai Zacharowski

Pro Patient Blood Mangement

„Durch eine umfassende OP-Vorbereitung, sparsame Blutentnahme zu diagnostischen Zwecken und Eigenblut schonende OP-Verfahren lassen sich Fremdblut-Transfusionen oftmals vermeiden.”

Die drei PBM-Säulen

Das PBM-Konzept fußt auf drei Säulen:

  1. Die frühe Untersuchung und Behandlung einer gegebenenfalls vorhandenen Anämie (Blutarmut) vor geplanten Eingriffen mit hohem Transfusionsrisiko.
  2. Minimierung des Blutverlustes und vermehrte Nutzung fremdblutsparender Maßnahmen.
  3. Ressourcenschonender, rationaler Einsatz von Blutkonserven.

Zacharowski: „Tatsächlich ist es in vielen Fällen möglich, durch eine gute OP-Vorbereitung der Patientinnen und Patienten, deren Eigenblutressourcen derart zu stärken und zu schonen, dass eine Fremdblutübertragung möglichst überflüssig wird. So leiden etwa 30 Prozent aller Patienten an einer Blutarmut (Anämie), die Hälfte von ihnen bedingt durch Eisenmangel. Dieser ließe sich durch intravenöse Eisengaben kurzfristig und relativ leicht beheben. Ähnliches gilt auch für Vitamin-B-12- und Folsäure-Mangel.”

Überzeugungsarbeit

Die WHO (World Health Organisation) hat PBM bereits im Jahr 2010 als weltweiten Standard für Klinken empfohlen. Doch auch hierzulande gibt es immer noch viele Krankenhäuser, die PBM im klinischen Alltag noch gar nicht oder nur unzureichend umsetzen. Um deutschlandweit mehr Kliniken von PBM zu überzeugen und sie bei der Umsetzung zu unterstützen, gründeten Zacharowski und Kollegen am Universitätsklinikum Frankfurt im Jahr 2014 das Patient Blood Management Netzwerk.

Wie Patient Blood Management funktioniert, erklärt auch dieser Film.

Weitere Infos finden Sie auch in unserer Print-Ausgabe.

Doris Goedecke-Vorberg

Doris Goedecke-Vorberg, Redaktion BARMER Unternehmenskommunikation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Netiquette:
Wir freuen uns auf einen regen und fairen Austausch mit Ihnen und bitten Sie um die Beachtung folgender Punkte:
  • Eingehende Kommentare werden werktäglich bearbeitet und so veröffentlicht, wie sie eingereicht werden. Beiträge vom Wochenende werden montags publiziert.
  • Wir behalten uns vor, Kommentare abzulehnen, die anstößig, gesetzeswidrig, beleidigend, diskriminierend oder diffamierend sind.
  • Bitte verzichten Sie auf Beiträge und Links mit Werbung und anderen kommerziellen Inhalten.
  • Wir bitten um Verständnis, dass die Redaktion keine individuellen Leistungsanfragen beantwortet. Bitte nutzen Sie dafür den kostenlosen Telefonservice der BARMER unter der Rufnummer 0800 333 1010 oder den Service-Bereich bei barmer.de
Bitte beachten Sie auch unsere Datenschutzbestimmungen zum Umgang mit Ihren personenbezogenen Daten.