Gesundheit

Naturgenuss trotz Zeckenverdruss

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Mit den ersten Sonnenstrahlen zieht es die Menschen hinaus ins Grüne. Nach den eher lichtarmen Wintermonaten ist der Streifzug durch Wiesen und Wälder jetzt wunderbar vitalisierend, jedoch auch nicht ganz risikofrei. Denn bei solch angenehmen Temperaturen erwachen auch die Zecken zu neuer Tatkraft.

Mögliche Folgen eines Zeckenstichs: Borreliose und FSME

Die meisten der Zeckenstiche bleiben glücklicherweise folgenlos. Dennoch sollte man nie vergessen: Zecken können gefährliche Viren und Bakterien übertragen, die Erkrankungen wie die Lyme-Borreliose und, wenn auch seltener, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen können.

Verursacher der Borreliose ist das Bakterium „Borrelia burgdorferi“, das sich in unterschiedlichsten Krankheitsstadien zeigen kann und deshalb schwer zu diagnostizieren ist. Typisches Vorzeichen ist ein roter Hautring rund um die Einstichstelle. Bleibt die Krankheit unbehandelt, können als Spätfolgen Gelenk-, Herzmuskel- oder Nervenentzündungen auftreten. Die Lyme-Borreliose ist in Europa die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit. Ihre Überträger finden sich in ganz Deutschland.

Das FSME-Virus, das im Speichel der Zecke lokalisiert sein kann, kann in einer ersten harmloseren Phase grippeähnliche Symptome mit leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auslösen. In einer seltener auftretenden zweiten Phase kann es zu einer Entzündung von Gehirn, Hirnhaut und Rückenmark (Enzephalitis) kommen. FSME ist besonders für ältere Menschen gefährlich, da sie im Verlauf eine Entzündung im Rückenmark (Myelitis) entwickeln können, die dauerhafte neuronale Schäden nach sich zieht. Bei Kindern gibt es überwiegend nur milde und gut ausheilende Krankheitsverläufe. Besonders für die Bundesländer im Süden und in der Mitte von Deutschland gilt ein erhöhtes FSME-Risiko.

FSME-Schutzimpfung als Leistung der BARMER

Wer in FSME-Risikogebieten lebt, arbeitet oder Urlaub machen will, sollte sich frühzeitig beim Hausarzt oder Gesundheitsamt impfen lassen. Die BARMER übernimmt die Kosten der Schutzimpfung und einer notwendigen Auffrischung für Versicherte, die sich in Risikogebieten aufhalten. Ein optimaler Immunschutz wird mit drei Impfungen erreicht. Etwa drei bis fünf Jahre nach einer Impfung lässt der Schutz nach, dann ist eine Auffrischung ratsam.

Gegen Borreliose gibt es dagegen keinen Impfstoff. Werden Krankheitssymptome jedoch rechtzeitig erkannt, können sie mit Antibiotika wirksam behandelt werden. Schon deshalb ist es ratsam, mit einem Zeckenstich direkt zum Hausarzt zu gehen, damit dieser das Risiko prüfen kann.

Zahl zum Thema

Um ein

200-Faches

kann sich das Körpergewicht eines Zeckenweibchens nach einer einzigen Blutmahlzeit erhöhen. Danach kommt sie für sehr lange Zeit ohne Mahlzeit aus.

Tipps zur Abwehr und zum Schutz

  1. Beim Aufenthalt im Grünen: Eine erste Zeckenbarriere ermöglicht die Kleiderwahl. Mit langen Hosen, Strümpfen und geschlossenem Schuhwerk wird das Vordringen zur Haut erschwert. Noch besser: Hosenbeine in die Socken oder in knöchelhohe Turnschuhe stecken. Insektensprays oder -cremes sind nur bedingt hilfreich. Besser, man entdeckt Zecken rechtzeitig, bevor sie zustechen können. Helle Kleidung ist dabei hilfreich.
  2. Nach einem Aufenthalt im Freien: Sich selbst (und Kinder) gründlich von Kopf bis Fuß gründlich auf Zeckenbefall absuchen. Kinder, die oft in der Natur sind, könnten dies als abendliches Ritual annehmen wie das Zähneputzen.
  3. Bei einem Stich: Man sollte keines der vermeintlichen „Hausmittelchen“ wie Babyöl, Nagellack, Zahnpasta, Alkohol oder Klebstoff verwenden, um die in der Haut verbissene Zecke zum Loslassen zu bewegen oder zu ersticken. Vor Stress könnte sie ihren Speichel in die Stichwunde erbrechen, der Viren beinhalten kann. Oder ihr Rüssel bleibt zu lange in der Haut stecken, auch das erhöht das Infektionsrisiko.
  4. Zecken entfernen: Wer gestochen wurde, sollte die Zecke zügig mit einer speziellen Zeckenzange, -schlinge oder -karte oder einer Pinzette mit nach innen gewinkelten Spitzen entfernen. Dazu muss sie direkt über der Hautoberfläche gepackt und im Ganzen senkrecht herausgezogen werden. Möglichst nicht quetschen oder abdrehen – auch hier besteht die Gefahr, dass sie sich erbricht und der Saugrüssel stecken bleibt. Der Hausarzt schneidet Zecken mitsamt Stichwerkzeug in einem winzigen Skalpellschnitt heraus und desinfiziert die Wunde gleich.
  5. Generell: Besonders in FSME-Risikogebieten empfiehlt es sich, möglichst schon vor der Saison für FSME-Impfschutz sorgen und diesen regelmäßig auffrischen lassen. Gegen die weitaus häufiger auftretende Borreliose gibt es keine Schutzimpfung. Hier sind im Krankheitsfall Antibiotika Mittel der Wahl.
  6. Für Patienten: Wer infolge eines Zeckenbisses erkrankt ist, findet ergänzend zur hausärztlichen Behandlung Informationen beim Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. (BFBD)
  7. Speziell für Kinder: Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat für sie ein Video über Zeckenschutz gedreht. Darin erklären Kinder sehr verständlich, was es mit den Zecken auf sich hat und was beim Spielen im Freien zu beachten ist.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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Kommentar
  1. Liebe Barmer,
    sollte man zur Zeit der Corona-Pandemie vorerst auf eine Schutzimpfung verzichten, um den Körper nicht zusätzlich zu schwächen, vor allen bei älteren u. mit Vorerkrankungen belasteten Personen? Eine Auffrische
    der Zeckenimpfung ist bei mir fällig u. ich gehöre zu dem gefährdeten Personenkreis.
    Vielleicht können Sie meine Unsicherheit zerstreuen? Vielen Dank für eine Beantwortung u. liebe
    Grüße H. S.

    1. Liebe Frau Sander,

      das Robert-Koch-Institut (RKI) hat sich mit diesem Thema beschäftigt und beantwortet die Frage, ob während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie Impfungen durchgeführt werden sollten, auf seiner Internetseite (https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/COVID-19-Impfen.html) mit einem eindeutigen „ja“ und erläutert:

      Während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie wird das Gesundheitssystem stark belastet. Es ist wichtig, einen guten allgemeinen Gesundheitszustand in der Bevölkerung zu erhalten, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Ein umfassender Impfschutz gemäß den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) kann hierzu beitragen. Die STIKO hat zur Durchführung von Schutzimpfungen während der COVID-19-Pandemie außerdem im Epid Bull 18/2020 eine Stellungnahme* veröffentlicht.

      Mögliche Interaktionen von Impfungen und COVID-19:
      Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) durch eine in zeitlicher Nähe verabreichte Impfung beeinflusst wird. Durch Impfungen wird der Impfling vor Infektionen geschützt, die ihn auch in der Pandemiezeit zusätzlich gefährden oder schädigen können.
      […]
      Auch andere von der STIKO empfohlene Impfungen, die fällig sind (wie z.B. die Tdap-Auffrischimpfung oder die Herpes-zoster-Impfung), können durchgeführt werden.
      […]

      *Ergänzende Informationen finden Sie in der Stellungnahme der STIKO, diese befindet sich auf den Seiten 3 und 4 des Epid Bull 18/2020 auf dieser Internetseite: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/18/Art_01.html

       Die Auffrischung der Impfung gegen die durch Zecken übertragene Krankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann somit auch während der Corona-Pandemie erfolgen.