Startseite Gesundheit Interview mit Herzspezialisten: Mit diesen Tipps kommen Sie gut durch den Winter
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Mit diesen Tipps kommen Sie gut durch den Winter

Portrait_Thomas Voigtländer

Sauna, Skifahren, Jogging im Schnee? Was Herzpatienten bei Kälte beachten sollten, erklärt Professor Dr. med. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

 

Herr Professor Voigtländer, müssen wir im Winter Angst um unser Herz haben?

Nein, Menschen mit einem gesunden Herz müssen das nicht. Aufpassen sollten jedoch Patienten mit einer sogenannten Koronarsklerose, einer Verengung der Herzkranzgefäße. Diese Erkrankung entsteht vor allem, wenn Menschen einen hohen Blutdruck haben, rauchen, zuckerkrank sind, an einer Fettstoffwechselstörung leiden oder eine genetische Veranlagung haben.

Was genau sollten Menschen tun, die zu diesen Risikogruppen gehören?

In erster Linie sollten sie unabhängig von der Jahreszeit den Status ihrer Herzkranzgefäße kennen. Das gilt vor allem für Menschen ab einem Alter von 40 Jahren. Eine Analyse des Gefäßrisikos beim Kardiologen oder Hausarzt ist deshalb auf jeden Fall zu empfehlen. Besteht ein ausgeprägtes Risiko oder treten unklare Beschwerden wie Brustkorbenge oder Atemnot auf, kann eine weiterführende Diagnostik weiterhelfen. So können Probleme an den Herzkranzgefäßen entdeckt werden.

Sollten Patienten mit solchen Verengungen tatsächlich bei Minusgraden drinnen bleiben?

Für Menschen, die an einer fortgeschrittenen Verengung der Herzkranzgefäße leiden, ist das häufig tatsächlich eine gute Entscheidung. Viele von ihnen bekommen Probleme, wenn sie vom warmen Wohnzimmer nach draußen in die Kälte gehen. Sie empfinden dann ein starkes Engegefühl in der Brust. Wir nennen das die Kälte-Angina-Pectoris. Ein solcher Anfall birgt immer ein Herzinfarkt-Risiko. Menschen mit geringfügiger Verengung der Herzkranzgefäße können sich in der Kälte problemlos aufhalten, wenn sie entsprechend warm gekleidet sind.

Und was ist mit Sport? Lieber Hometrainer als Joggingrunde um den See?

Ausdauersport ist bei Gefäßerkrankungen sehr wichtig. Man kann sogar sagen, dass Sport wie ein Medikament wirkt. Bewegung an der frischen Luft ist deshalb zu empfehlen. Das gilt auch für Herzpatienten; zumindest für diejenigen, bei denen nur eine geringfügige Verengung der Herzkranzgefäße vorliegt. Selbst Wintersport wie Skifahren ist denkbar, wenn der Zustand der Herzkranzgefäße bekannt ist und aus ärztlicher Sicht nichts dagegenspricht. Menschen, die Blutverdünner einnehmen, sollten jedoch wissen, dass sie bei Stürzen ein erhöhtes Blutungsrisiko haben. Sie sollten sich vorab mit ihrem Arzt besprechen. Patienten mit einer höhergradigen Verengung eines Herzkranzgefäßes sollten Sport bei starker Kälte tatsächlich komplett meiden. Bei diesen Patienten muss geprüft werden, ob eine Stentimplantation erforderlich wird. Wenn die Verengung behandelt wurde, ist Sport auch bei Kälte wieder möglich.

Aber selbst Menschen mit starken Herzproblemen können sich im Winter natürlich nicht verkriechen. Vor die Tür gehen müssen wir alle mal. Gibt es sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen?

Da der Blutdruck in der Kälte steigt, sollten Herzpatienten darauf achten, vor dem ersten Gang nach draußen ihre Blutdruck-Medikamente eingenommen zu haben.

Viele Patienten glauben, dass sie sich im Winter mit Vitamintabletten vor einem Herzinfarkt schützen können. Stimmt das?

Nein. Wenn wir uns ausgewogen ernähren, nehmen wir automatisch ausreichend Vitamine auf. Von einer zusätzlichen Vitamin-Einnahme sollte man sich keine schützenden Effekte erhoffen. Eine sinnvollere Maßnahme ist es, beim Übergang von warmen zu kalten Temperaturen seinen Puls und Blutdruck genauer im Blick zu haben. Hier sollte überprüft werden, ob die Medikation auch im Winter ausreichend ist, um die Zielblutdruckwerte zu erreichen.

Saune-Gänge gelten ja als sehr gesund – vor allem in der kalten Jahreszeit. Gilt das auch für Herzpatienten?

Hier ist die Datenlage nicht eindeutig. Ich empfehle Menschen mit Herzproblemen, darauf zu verzichten, da der Wechsel zwischen sehr heißen und sehr kalten Temperaturen extrem ist. Dieser Wechsel führt zu Gefäßspasmen, die im Einzelfall auch ernsthafte Probleme auslösen können.

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So schützen Sie sich und Ihr Herz vor dem Wintertief

Die Winterzeit birgt – außer der Kälte – weitere Gefahren für Herzpatienten. Neben den frostigen Temperaturen schlägt vielen Menschen auch die Dunkelheit aufs Gemüt. Sie leiden unter depressiven Verstimmungen oder Stress. Und genau das kann sich negativ auf das Herz auswirken. Um ausgeglichen und gut gelaunt durch die kalte Jahreszeit zu kommen, ist es deshalb wichtig, sich selbst viel Gutes zu tun. Hilfreich ist ein schönes Hobby, das von der nass-grauen Winterzeit ablenkt. Auch Sport und regelmäßige Treffen mit Freunden können die Stimmung erheblich erhellen.

Ebenfalls wichtig ist es, sich gerade in den Wintermonaten vor Grippeerregern in Acht zu nehmen. Die Grippe ist eine starke Zusatzbelastung für unser Herz-Kreislauf-System und kann bei einem vorgeschädigten Herzen sogar einen Infarkt auslösen. Sinnvoller Schutz bietet einen Grippeimpfung. Genauso wichtig ist es, sich regelmäßig und ordentlich die Hände zu waschen.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation

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