Kinderkrankheiten bei Erwachsenen
Gesundheit

Masern erst mit 35?

Masern, Keuchhusten, Windpocken, Mumps. Kinderkrankheiten bei Erwachsenen sind alles andere als harmlos und längst nicht ausgeschlossen. Immer mehr Deutsche leiden erst mit 20plus unter den hoch infektiösen Erkrankungen, die normalerweise schon im Kleinkindalter auftreten.

„Der Verlauf ist dann meist schwerwiegender, die Infekte dauern länger und es kann zu gefährlichen Komplikationen bis hin zum Tod kommen“, weiß Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER.
Röteln zum Beispiel können in der Schwangerschaft zu schweren Missbildungen, auch geistigen Behinderungen beim noch ungeborenen Kind führen. Oder aber erwachsene Männer erkranken an Mumps. Dann kann dies eine Hodenentzündung mit möglicher Sterilität nach sich ziehen.

Kinderkrankheiten: Lebenslang immun

Unter Kinderkrankheiten verstehen Mediziner – streng genommen – Infektionen, die gehäuft im Kindesalter auftreten und dann im weiteren Lebens(ver)lauf nicht mehr wieder auftauchen. Denn das körpereigene Abwehrsystem hat entsprechende Antikörper gebildet, durch die jedwede weitere Ansteckung bereits im Keim erstickt wird. Auf die meisten sogenannten Kinderkrankheiten trifft dies zu. Röteln oder Keuchhusten können jedoch mehrmals auftreten.

Kinderkrankheiten: Kein Schutz währt ewig

Eine andere Möglichkeit, einen lebenslangen Immunschutz zu erreichen, ist konsequentes Impfen schon von Kindesbeinen an. Dadurch konnte zum Beispiel in den 60er Jahren Kinderlähmung (Polio) in Deutschland nahezu „ausgerottet“ werden. Auch bei Kinderkrankheiten wie Masern oder Keuchhusten war man diesbezüglich schon auf einem guten Weg. 2017 jedoch wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin beispielsweise wieder über 900 Fälle von Masern gemeldet. Mehr als ein Drittel davon waren nach Auskunft einer Sprecherin Betroffene im Erwachsenenalter.
„Das liegt zum einen daran, dass in der Bevölkerung die Motivation und Bereitschaft nachgelassen hat, schon Kinder impfen zu lassen“, meint Marschall. „Häufig versäumen aber auch Erwachsene eine Auffrischung und kein Impfschutz hält ewig.“

ZITAT

Porträtfoto Dr. Ursula Marschall, BARMER / Zitat zu Aufklärungs-Hotline über AIDS

„Bei Erwachsenen verlaufen Kinderkrankheiten oft schwerer und es kann zu gefährlichen Komplikationen kommen.“

Dr. Ursula Marschall,
leitende Medizinerin bei der BARMER

Kinderkrankheiten bei Erwachsenen: die wichtigsten Infektionen im Überblick!

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Die Erkrankung beginnt meist wie ein grippaler Infekt. Nach drei bis fünf Tagen kommt es zu dem typischen rotfleckigen Ausschlag am ganzen Körper. Seltene, aber schwerwiegende Komplikationen sind Lungen- und/oder Mittelohrentzündung sowie die gefürchtete Gehirn- und/oder Hirnhautentzündung, die zum Tod bzw. zu bleibenden Schäden führen kann. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist das Risiko, derart schwer zu erkranken, deutlich erhöht und zwar: 1:500 bei Erwachsenen im Vergleich zu 1:10.000 bei Kleinkindern.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt bereits im Kleinkindalter (11-23 Monate) eine zweimalige Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung). Dies ist notwendig, um so genannte Impflücken zu vermeiden, wenn etwa nach dem ersten Durchgang nicht ausreichend Schutz aufgebaut, das heißt genügend Antikörper gegen das Virus gebildet wurden. Vor allem nach 1971 Geborene sollten deshalb beim Arzt ihren Impfstatus überprüfen lassen (Zahl der Antikörper im Blut)!

Bei dieser ebenfalls durch Tröpfchen übertragenen Krankheit entzünden sich die Ohrspeicheldrüsen. Es kommt zu Fieber, Schmerzen und Schwellungen im umliegenden Gewebe, oft umschrieben als sogenannte Hamsterbacken. Auch bei Mumps sind Erwachsene, wenn sie daran erkranken, meist viel stärker von Komplikationen betroffen als Kinder. Dabei weitet sich die Erkrankung auf andere Organe aus, infiziert vor allem Bauchspeicheldrüse, Gehirn oder Hirnhäute. Selten, aber ebenfalls typisch ist außerdem eine meist einseitige, manchmal auch beidseitige Hörstörung. Bei gut einem Viertel der erkrankten Männer kommt es sogar zu der bereits beschriebenen Hodenentzündung mit den entsprechenden Folgen.

Besonders kennzeichnend für diese bei Kindern meist harmlos verlaufende Virusinfektion ist neben Gelenkbeschwerden, Fieber und geschwollenen Lymphknoten (Nacken) der feinfleckige hellrote Ausschlag am ganzen Körper. Im Falle einer Erkrankung häufen sich aber auch hier mit zunehmendem Alter mögliche Komplikationen. Zum Beispiel Ohr-, Gehirn- und Gelenkentzündungen. Besonders gefürchtet sind die bereits beschriebenen Gefahren für das noch ungeborene Kind bei einer Infektion in der Schwangerschaft.

Die hoch ansteckende und langwierige Virusinfektion beginnt meist wie eine Erkältung mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Nach wenigen Tagen, oft in der Nacht, treten dann die charakteristischen abgehackten Hustenanfälle (Stakkatohusten) auf, die vor allem bei Säuglingen zu Atemnot führen können. Da Keuchhusten mehrmals im Leben auftreten kann, bemerken Erwachsene oft nicht, dass sie sich erneut angesteckt haben, denn die Symptome sind in diesen Fällen weniger typisch. Selten kommt es bei Keuchhusten zu schwerwiegenden Krankheitsverläufen mit Lungenentzündungen oder neurologischen Störungen. Auch hier gilt: Je älter die Patienten desto höher die Komplikationsrate.

Auch diese Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus ist extrem ansteckend, da die Krankheit nicht nur über Tröpfchen in der unmittelbaren Umgebung – wenn Erkrankte zum Beispiel husten, niesen, sprechen –, sondern auch durch die Luft beziehungsweise mit dem Wind über mehrere Meter übertragen wird. Nach einem eher unspezifischen Krankheitsgefühl entstehen schon bald Fieber und der typische, heftig juckende Hautausschlag mit linsengroßen rötlichen Flecken, die sich zu wasserhaltigen Bläschen herausbilden. In der Regel erkranken Menschen nur einmal im Leben an Windpocken. Wenn die Viren jedoch in den Nervenknoten überleben, können sie im Erwachsenenalter unter Umständen die oft sehr schmerzhafte Gürtelrose (Herpes zoster) auslösen. Wer als Erwachsener außerdem erstmalig an Windpocken erkrankt, muss mit einem deutlich schwereren Verlauf rechnen, der sogar tödlich enden kann.

Eine himbeerrote Zunge ist das markante Erkennungszeichen von Scharlach, einer durch Streptokokken ausgelösten bakteriellen Infektionskrankheit. Scharlach tritt meist plötzlich mit hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Hals- und Kopfschmerzen auf. In der Regel erkranken Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren. Wenn Erwachsene sich anstecken, ist auch hier wiederum das Risiko für schwerwiegende Folgen höher. Zum Beispiel: Rheumatisches Fieber, Herz- oder Nierenentzündungen.

Kein Kinderkram: So wehren Sie Masern & Co erfolgreich ab

Vor den meisten Kinderkrankheiten schützen Impfungen – auch noch im Erwachsenenalter.  Um sich selbst, aber auch Kinder im Umfeld nicht zu gefährden, werden von Experten folgende Immunisierungen empfohlen:

  • im Dreierpack gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung)
  • jeweils gegen Polio und Windpocken
  • Diphtherie, kombiniert mit Tetanus und Keuchhusten

Gegen Scharlach gibt es keine Impfung. Wenn jedoch direkt zu Beginn mit Antibiotika behandelt wird, besteht bereits nach 24 Stunden keine Ansteckungsgefahr mehr. Außerdem wird das Risiko für Komplikationen minimiert. Für Senioren befürwortet die STIKO am RKI in Berlin seit neuestem auch eine Schutz-Impfung gegen Gürtelrose mit einem sogenannten Totimpfstoff für Personen ab 60 Jahren. Um einen optimalen Immunschutz zu erreichen, sind zwei Impfungen im Abstand von zwei bis maximal sechs Monaten notwendig. Die BARMER erstattet ihren Versicherten die Kosten für diese Impfung in Höhe von 250 Euro komplett zurück.

 

Weitere Informationen zum Thema „Kinderkrankheiten bei Erwachsenen“ finden Sie hier auf der BARMER-Homepage.

Michaela Del Savio

Redakteurin, BARMER-
Unternehmenskommunikation

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