Gesundheit

Lebensgefährlich statt lebensrettend

Kettenbriefe erreichen heutzutage durch die elektronische Verbreitung über soziale Medien und Nachrichtendienste wie Whats-App in rasanter Geschwindigkeit eine Vielzahl von Lesern. Leider lässt die Seriosität dieser Serienbriefe in vielen Fällen zu wünschen übrig. Das betrifft unter anderem Gesundheits-Tipps, die nicht nur fahrlässig, sondern mitunter sogar lebensgefährlich sein können.

Pseudo-Fachwissen legt falsche Fährte
Ein Beispiel dafür ist ein Kettenbrief zum Thema Herzinfarkt, der seit Jahren immer wieder kursiert. In einem in zwölf Punkte gegliederten Text wird ein Szenario aufgemacht, wie man sich, wenn man alleine unterwegs ist, im Falle eines plötzlichen Herzanfalls angeblich selber helfen kann. Um den Herzinfarkt zu bekämpfen, werden tiefe Atemzüge und intensives Husten im Wechsel empfohlen. Das müsse im Zwei-Sekunden-Takt und ohne Unterbrechung wiederholt werden, bis Hilfe eintreffe beziehungsweise das Herz wieder normal schlage.
Die Wirkung wird folgendermaßen erklärt: „Tiefe Atemzüge holen Sauerstoff in die Lunge und Hustenbewegungen drücken das Herz und halten das Blut im Kreislauf. Der Druck auf das Herz hilft auch, den normalen Rhythmus wiederherzustellen. Auf diese Weise können Herzinfarkt-Opfer in ein Krankenhaus gelangen.” Zitiert wird ein angeblicher, nicht namentlich genannter Kardiologe mit den Worten: „Wenn jeder, der diese Nachricht bekommt, es an 10 Personen sendet, kann man darauf wetten, dass wir mindestens ein Leben retten.” Unter dem Aspekt der Lebensrettung von Freunden wird dazu aufgefordert, den Text weiterzuleiten oder zu teilen.

 

Porträtfoto Dr. Ursula Marschall, BARMER / Zitat zu Aufklärungs-Hotline über AIDS

„Dieser Kettenbrief ist einfach nur ausgemachter Blödsinn”, sagt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der BARMER und ergänzt „die darin beschriebenen Tipps sind bei Herzinfarkt nicht nur unsinnig, sondern sogar lebensgefährlich.”

Nur Notruf nutzt
Als ausgebildete Notfall-Medizinerin kennt Dr. Marschall die Anzeichen und Symptome für einen Herzinfarkt sowie die notwendigen Maßnahmen aus jahrelanger Praxis nur allzu gut: „Bei einem Verdacht auf Herzinfarkt ist es das Wichtigste, sofort den Notruf 112 zu alarmieren. Wie bei einem Schlaganfall zählt auch beim Herzinfarkt jede Minute, damit Betroffene im Krankenhaus so schnell wie möglich professionell versorgt werden können. Je schneller die ärztliche Behandlung einsetzt, desto größer ist die Chance, Folgeschäden gering zu halten und lebensrettend einzugreifen. Der Herzinfarkt-Patient, der noch bei Bewusstsein ist, hat massive Schmerzen. Er könnte sich gar nicht auf Atmen und Husten konzentrieren. Bei schwerem Herzinfarkt sowieso nicht, Betroffene sind in der Regel bewusstlos.”

Unbekannte Quelle
Wer die falschen Kettenbrief-Infos wann und wo zuerst in Umlauf gebracht hat, lässt sich offenbar nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Das legt zumindest die Antwort der Deutschen Herzstiftung auf eine entsprechende Nachfrage nahe. Darin heißt es: „Als Quelle für die Aussage wird das Rochester General Hospital genannt. Der Artikel wird seit 1999 über das Internet an Personen verschickt mit der Bitte um Weiterleitung. Das Rochester General Hospital nimmt dazu wie folgt Stellung: »In den letzten 20 Jahren wurde weder dieser noch ein ähnlicher Artikel veröffentlicht. Darüber hinaus lässt sich die medizinische Empfehlung nicht durch die gegenwärtige Studienlage belegen.« Auch die amerikanische Herzstiftung fordert, dass diese Information nicht weitergeleitet oder gar befolgt werden soll. Dieser Aussage schließt sich die Deutsche Herzstiftung an.“


Wissenswertes zum Herzinfarkt von der Deutschen Herzstiftung

Symptome für einen Herzinfarkt
Unter der Überschrift „Diese Alarmsignale muss jeder kennen”, wird ausführlich über die typischen Anzeichen eines Herzinfarktes informiert.

Herzinfarkt
Wie verhält man sich im Notfall korrekt? Sechs wichtige Punkte, die jeder wissen sollte.

Testen Sie Ihr Herzinfarkt-Risiko
Über 300.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt. Wie hoch das jeweils eigene Risiko dafür in etwa ist, kann via Online-Test ermittelt werden. Das Ergebnis erhalten Teilnehmer anschließend automatisch per E-Mail.
Hinweis: Der Test ist allerdings nur für Menschen gedacht, bei denen bislang keine Gefäßerkrankung diagnostiziert wurde.
Hier geht es zum Test.

Mit „dolce vita” dem Herzinfarkt vorbeugen
Das Risiko für einen Herzinfarkt lässt sich durch eine herzgesunde Lebensweise reduzieren. Dazu gehören die „üblichen Verdächtigen”: Übergewicht vermeiden, auf Nikotin verzichten, sich regelmäßig bewegen (mindestens drei- bis viermal pro Woche 30 Minuten), Stress reduzieren und sich ausgewogen ernähren.
Mehr Infos enthält der kostenlose Ratgeber „dolce vita”.

 

Doris Goedecke-Vorberg

Doris Goedecke-Vorberg, Redaktion BARMER Unternehmenskommunikation

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