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Frau blickt in gefüllten Kühlschrank.
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Ernährung

Intuitiv essen

Welches Schwein wird denn jetzt durchs Dorf getrieben? – mag man denken, wenn man „intuitives Essen“ liest. Das x-te „unschlagbare“ Diätkonzept? Der x-te Wellness-Trend? Eine lukrative Geschäftsidee? Keinesfalls, intuitives Essen behandelt, was wir grundsätzlich kennen. Im modernen Alltag ist es nur allzu oft verloren gegangen. Es verspricht die Rückbesinnung auf ein steuerndes Signal des Körpers: Hunger.

Rückkehr zum Ursprünglichen

Vom ersten Atemzug an lernen Babys lautstark kundzutun, dass sie gestillt oder gefüttert werden möchten. Ihr Körper signalisiert ihnen, wann es so weit ist. Er gewährleistet, dass sie rechtzeitig mit Ressourcen versorgt werden, damit ihre Entwicklung gesichert ist. Je älter sie werden, desto mehr passen sie sich jedoch an: Sie essen zu Familienmahlzeiten oder zu Pausenzeiten in Kita und Schule. Als Erwachsene essen sie, wenn es der Job, die Kantine oder der Alltag erlauben. Kultur, Umfeld und Gewohnheiten haben die Koordination der lebenswichtigen Ressourcen übernommen, nicht der Hunger.

Faktoren wie Ärger, Frust, Stress und Langeweile, die kompensiert sein wollen, bringen dies zusätzlich durcheinander. Unser Belohnungszentrum im Gehirn freut sich schließlich auch über Essen, das die Glückshormone, allen voran Serotonin, beflügelt: Schokolade, Chips und andere oft kalorienreiche Nahrungsmittel zählen zum „emotionalen Essen“, das nicht Sättigung als Ziel hat. Bei dem stetigen oder zu frühen Angebot geht das tatsächliche Hungergefühl jedoch verloren. Denn der Körper adaptiert und verwertet auch, wenn er keine Ressourcen braucht – er lagert sie ein. Aus Hunger wird dann oftmals Appetit.

Trainieren, was der Körper tatsächlich braucht

Essen soll Freude bereiten, wohltuend (gesund) sein und zufrieden satt machen. Indem wir achtsamer damit umgehen, warum, was und wie wir essen, können wir mittel- und langfristig unser gesamtes Wohlbefinden verbessern. Konsequent betrieben, wirkt sich das voraussichtlich auch auf das Körpergewicht aus.

Intuitives Essen ist also aufmerksames Zuhören. Was sagt die Intuition: Handle ich eher aus Reflex, Langeweile oder Hunger? Indem man dies neu trainiert, erfolgt eine Art Reset im Kopf: Gegessen wird, wenn die konkreten Signale da sind, und nur so viel, bis sich echte Sättigung einstellt. Denn auch das Gespür für „satt“ verliert sich mit der Zeit. Steuert der Körper sich wieder besser, sind Diäten eigentlich nicht mehr erforderlich. Man kann essen, was schmeckt, und dabei so oft wie möglich auf Qualität und Ausgewogenheit achten.

Das Ziel: achtsamer mit sich selbst sein

Die Umstellung ist sicher nicht einfach, denn es geht gegen sehr fest etablierte Alltagsgewohnheiten. Diese lassen sich durch mehr Aufmerksamkeit und mehr Achtsamkeit für den gesamten Essvorgang durchbrechen, etwa indem man ein passendes Umfeld schafft, das Essen bewusst auswählt und sich Zeit nimmt. Mentales Training kann den achtsameren Umgang mit dem Körper und mit solchen Eigenwahrnehmungen positiv unterstützen.

Im Prinzip zahlen auch Methoden wie Intervallfasten darauf ein. Pausiert man lange genug mit der Nahrungsaufnahme, optimiert man auch die Verwertung und die zugehörigen Stoffwechselprozesse. Metabolisches Syndrom, Diät-Kasteiung und Jojo-Effekte braucht es nicht, wenn man weiß, wie der Körper wirklich „tickt“.* Wenn Ihnen an der Stelle einfällt, dass das doch schon unsere Urgroßeltern bzw. jedes Baby weiß – haben Sie vollkommen Recht.

* Bei konkreten Essstörungen bedarf es professioneller Hilfe. Intuitives Essen kann hier eher unterstützend wirken.

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Intuitiv essen: weiterführende Infos

BARMER Versicherte können zur Unterstützung einer gesunden Ernährung und eines achtsamen Lebensstils Online-Kurse nutzen. Die Anmeldung für die Kurse erfolgt nach Login bzw. Registrierung im BARMER-Portal:

Ernährungsgesundheit

Achtsamkeitstraining

 

Für die WDR-Sendung „Quarks“ wurde über drei Monate ein Ernährungsexperiment rund um intuitives Essen durchgeführt. Die Teilnehmenden hatten unterschiedliche Beweggründe. Die Ergebnisse wurden in dieser Sendung vorgestellt.

Zur Sendung auf YouTube

 

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation

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