Frau isst mit einer Gabel aus einer herzförmigen Glasschüssel und schaut dabei auf die Uhr

Intervallfasten

Es klingt mal wieder verlockend: Abnehmen ohne viel Aufwand, lästiges Kalorienzählen und vor allem ohne Heißhunger. Intervallfasten scheint derzeit buchstäblich in aller Munde zu sein. Auch die Berliner Journalistin Sandra Arens konnte sich dem Hype nicht entziehen und hat sich sechs Wochen nach dem Prinzip „Stunden anstatt Kalorien zählen“ ernährt. Wie es der Mutter von zwei kleinen Kindern damit erging, beschreibt sie hier im BARMER E-Magazin.

Keine Angst vor Magenknurren

Seit drei Wochen tickt die Uhr langsamer. Eigentlich bleibt die Zeit sogar stehen – jeden Tag pünktlich um 18 Uhr. Dann beginnt meine Fastenzeit. Besser gesagt: Meine Intervallfasten-Zeit. Die Promis schwören auf den Ernährungstrend. Und was für Jennifer Lopez und Hugh Jackman gut ist, kann auch mir nicht schaden, denke ich. Es klingt ja auch so schön: Gesund und schlank sein, ganz ohne Verzicht! Ich möchte herausfinden, ob das stimmt. Vor allem motiviert mich eins: Ich möchte eine gesunde Ernährungsform für mich finden. Wenn dann auch noch zwei oder drei Kilo purzeln, bin ich nicht unglücklich.

Eine Erkenntnis kommt schnell: Ich freue mich nicht auf 18 Uhr. Wer isst schon gerne freiwillig16 Stunden am Stück nichts? Denn das steckt hinter dem Intervallfasten – zumindest hinter der Variante, die ich ausprobiere. 16 Stunden Essverbot. Zu welcher Uhrzeit das Gesetz in Kraft tritt, ist jedem selbst überlassen. Ich habe mich für 18 Uhr entschieden, weil ich nicht aufs Frühstück verzichten kann. Mir wird sonst schnell flau im Magen, und ich warte gedankenleer und tatenlos nur auf die Mittagszeit – nicht optimal im Berufsleben.

Die gute Laune bleibt im Bett

Also: 18 Uhr. Dann kann ich um 10 Uhr frühstücken. Eigentlich ist mir das, wenn ich ehrlich bin, auch schon zu spät. Und das macht sich bemerkbar. Seit ich faste, stehe ich zwar morgens wie immer um 7 Uhr auf, vergesse dabei aber etwas im Bett: meine gute Laune. Mein erster Blick wandert zu Uhr. Die feuert mich täglich an: Komm schon, drei Stunden noch!

Ok, ich reiße mich zusammen – und koche mir einen ungesüßten Tee. Der ist erlaubt. Während ich daran nippe, packe ich mit einer Art stillem Wutschnauben die Brotbox der Kinder und schmiere grün vor Neid ihre Pausenbrote. Doch weder Käse noch Geflügelaufschnitt können mich in Versuchung führen. Ich bin wahnsinnig diszipliniert – und echt mies drauf!

Dann endlich. Der Zeiger wandert ganz in die Nähe der magischen 10. Die Kinder befinden sich längst ordnungsgemäß in Kita und Schule – und essen dort vermutlich bereits ihr zweites Frühstück! Jetzt ist auch meine Zeit gekommen: Rührei steht auf dem Tisch. Ich freue mich wie meine kleine Tochter auf ihren lang erbettelten Schokokeks. Das Essen schmeckt fantastisch! Irgendwie sogar besser als sonst. Meine erste richtig gute Erfahrung beim Intervallfasten: Je länger ich mich auf mein Essen freue, desto mehr genieße ich es. Ich esse langsamer – und bin schneller satt.

Grafik: 16 / 8 - in der acht sind Lebensmittel zu sehen

Maßloses Essen? Da macht die Waage nicht mit

Und jetzt – nach 10 Uhr – steigt auch meine Laune rapide an. Ich weiß: Nun liegen acht gesetzlose Stunden vor mir. Acht Stunden, in denen ich essen darf, was ich möchte. Ob Pizza, Pasta, Pommes – eigentlich ist alles erlaubt. Wobei das Eigentlich in diesem Satz die Hauptrolle spielt. Denn ganz so einfach ist es nicht, stelle ich schnell fest. Wenn ich die acht Stunden für maßloses Essen nutze, erlebe ich dabei regelmäßig zwei Effekte: Ich fühle mich abends gestopft wie eine Weihnachtsgans – und morgens gibt mir die Waage unmissverständlich zu verstehen, dass das so nun auch nicht funktioniert.

Die acht Stunden Freiheit verlieren also ein wenig ihren Glanz. Ich fange an – wie bei jeder anderen Diät auch – auf mein Essen zu achten. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen enttäuscht. Diät halten und dazu noch 16 Stunden fasten? Das war nicht der Deal. Aber ich merke schnell: Durch die lange Essenspause bin ich, wenn ich dann gegessen habe, viel schneller satt! In meinen acht Stunden Ess-Zeit brauche ich also gar nicht so viel, wie ich dachte. Das ist ein ziemlich gutes Gefühl. Und dennoch: Je näher der Zeiger Richtung 18 Uhr wandert, desto unruhiger werde ich. Denn diese Grenze schränkt mich doch ganz schön ein: Ich gehe gerne abends mit Freunden essen, meist aber nie vor 20 Uhr. Beim Intervallfasten wird das für mich zum Problem. Auch bin ich mit den Kindern viel unterwegs und nicht immer um 18 Uhr zu Hause. Ruckzuck passiert es und ich befinde mich in der verbotenen Zeitzone, ohne noch etwas gegessen zu haben.

Ich habe es geschafft! 

Ich halte zwar durch, aber wirklich nur die von mir anfangs festgelegten sechs Wochen. Nach dieser Zeit ziehe ich Bilanz: Wesentlich abgenommen habe ich nicht, aber immerhin durchgehalten. Doch Hand aufs Herz: Durchhalten klingt nicht nach einer langfristig guten Idee. Doch genau das erhoffen sich viele vom Prinzip des Intervallfastens eigentlich sein: Etwas langfristiges. Eine Ernährungsumstellung auf lange Sicht. Für mich persönlich kann ich mir das nicht vorstellen. Ich mag Spontanität und möchte mich nicht vom Ticken der Uhr bestimmen lassen.

Dennoch habe ich viel begriffen. Ich weiß jetzt: Ich muss keine Angst vor Hunger haben. Klar, es gibt nettere Gefühle. Aber ich muss das Magenknurren auch nicht um jeden Preis sofort besiegen. Anstatt zum Schokoriegel zu greifen, kann ich warten, bis ich Zeit habe für ein gesundes Essen – und das kann ich dann so richtig genießen. Allerdings tue ich das jetzt wieder um 7 Uhr morgens – oder eben um 20 Uhr abends. Die Uhr tickt wieder im richtigen Tempo und die gute Laune springt morgens mit aus dem Bett. Darüber bin ich froh.

Mehr Informationen rund um das Thema Intervallfasten finden Sie auch in der Ausgabe 1/2019 des BARMER-Magazins ab Seite 10.

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