Ingwer-Wurzel mit grünen Blättern und drei geschnittenen Scheiben auf pinkfarbenem Hintergrund

Vielseitige und wohltuende Knolle

2018 als Heilpflanze des Jahres ausgezeichnet, gilt Ingwer heute für viele Menschen als linderndes Hausmittel bei Erkältungen und anderen Angriffen auf das Immunsystem. Obwohl es noch kaum belastbare Studien gibt, die der knubbeligen Wurzel eine konkrete medizinische Wirkung nachweisen, ist sie in der Naturheilkunde gesetzt und wird auch wissenschaftlich breit erforscht. Ihr besonderer Geschmack macht sie zu einem Dauerbrenner auch in unserer Küche. Neu ist neben dem gesundheitlichen und kulinarischen Aspekt auch der Einsatz der Wirkstoffe in Kosmetik und Hautpflege.

Jahrtausendealte Arznei- und Gewürzpflanze

Verpackt oder offen, aus konventionellem oder aus Bio-Anbau: Ingwer hat sich einen Stammplatz in den Obst- und Gemüseregalen des Lebensmitteleinzelhandels erobert. Von der Gewürzpflanze wird allerdings nur das Rhizom, ihr Wurzelstock, verwendet. Dessen Farbe variiert; je nach den klimatischen Bedingungen des Anbaus, der Sorte und der Zeit der Ernte kann die Wurzel mal weißlich, hell- bis dunkelgelb, hellbraun oder rötlich sein. Ursprünglich aus China stammend, wird Ingwer heute in vielen Ländern angebaut. Neben Indien, Sri Lanka, China, Indonesien, Vietnam und Japan zählen auch Australien, Brasilien und Nigeria zu den Anbaugebieten. Auch deutsche Biobauern versuchen, die Pflanze zu kultivieren, durchaus mit Erfolg.
In der traditionellen chinesischen Medizin sowie in der ayurvedischen Lehre Indiens wird Ingwer als wärmende und schweißtreibende Pflanze gewürdigt. Neben der wohltuenden Wirkung auf Magen und Darm ist der typische scharfe Geschmack ein Grund, weshalb in zahlreichen asiatischen Gerichten Ingwer enthalten ist. Mit den Kreuzfahrern kam die Pflanze im 11. Jahrhundert auch nach Europa. Hildegard von Bingen erwähnte sie in ihren Kräuterbüchern, Paracelsus schätzte sie als Arzneimittel. Das Interesse an der asiatischen Küche verschaffte Ingwer dann als Gewürzpflanze den großen Durchbruch in unserer Zeit.

Ingwerpflanze in einem weißen Blumentopf, im Vordergrund sind die in der Erde wachsenden Knollen bzw. Wurzeln zu sehen.

Ingwer aus dem Blumentopf

Probieren Sie, Ingwer selbst zu ziehen. Das geht in einem großen Blumentopf, gefüllt mit nährstoffreicher Erde. Man braucht nur ein Stück Ingwer, am besten in Bio-Qualität, das man über Nacht in lauwarmes Wasser legt. Mit der Schnittfläche nach unten setzt man das Stück am nächsten Tag auf die Erde und bedeckt es mit etwa zwei Zentimetern Erde. Danach täglich mit etwas zimmerwarmen Wasser befeuchten und dabei aufpassen, dass sich kein Schimmel bildet. Der Blumentopf sollte an einem hellen und warmen Platz stehen, wo ihn keine direkte Sonneneinstrahlung oder Zugluft erreicht. Nach einigen Wochen wachsen aus der alten Knolle neue Pflanzentriebe. Es dauert nun rund neun Monate, bis die Wurzelknolle geerntet werden kann.

Ingwer ist bei vielen Beschwerden wirksam

Die besondere Wirksamkeit von Ingwer wird den Gingerolen zugeschrieben, die auch für die typische Schärfe und den Geschmack verantwortlich sind. Getrockneter Ingwer ist schärfer als frischer, da diese Scharfstoffe beim Trocknen in Shogaol umgewandelt werden, das wesentlich konzentrierter ist. Seine ätherischen Öle sollen schmerzstillende, entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften besitzen, außerdem antioxidativ, antimikrobiell und antiallergisch wirken. Der Genuss von Ingwer regt die Durchblutung von Organen und Muskeln an und erzeugt damit wärmende Effekte. Medizinisch wird geforscht, ob sich die Inhaltsstoffe pharmakologisch einsetzen lassen, um vielleicht eines Tages lebensbedrohliche Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen.
Ein Ingwertee vor dem Essen kann einem Völlegefühl oder anderen Verdauungsbeschwerden vorbeugen. Denn die Scharfstoffe regen sowohl die Durchblutung des Magens als auch die Speichel- und Gallenbildung an und sind deshalb verdauungsfördernd. Immer wieder finden sich Hinweise, Ingwer könne auch blutdrucksenkend oder blutverdünnend wirken. Dies ist aber nachweislich nicht so. Auch eine vorbeugende Wirkung gegen Herzinfarkte ist ein Mythos, dem Ärzte widersprechen. Gut untersucht ist jedoch die Wirkung von Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen. Er verhindert, dass spezielle Brechreiz auslösende Botenstoffe an den Zellen andocken, besonders in der Magenschleimhaut.  Bei Übelkeit in Zusammenhang mit Chemotherapie wird Ingwer deshalb lindernd eingesetzt. Allerdings gilt dies nur für Chemotherapien, bei denen es dem Patienten nicht übermäßig übel wird. Bei zu starkem Brechreiz sind andere Medikamente hilfreicher.
Wer anfällig gegen Reisekrankheit ist, kann eine halbe Stunde vor Reisebeginn ein halbes bis zwei Gramm Ingwerpulver einnehmen oder Ingwerbonbons lutschen. Ob Ingwer auch gegen die in den ersten Monaten häufige Schwangerschaftsübelkeit hilft, ist umstritten. Da kaum Studien mit Schwangeren gemacht werden, fehlen hier die Erkenntnisse. Deshalb raten viele Frauenärzte und Hebammen zumindest in den späteren Monaten der Schwangerschaft von Ingwer ab, da seine durchblutungs-fördernde Wirkung auch Wehen auslösen könnte.
Viele Menschen schwören während einer Diät auf Ingwerwasser zum Abnehmen. Schaden wird Wassertrinken sicher nicht, doch die Pfunde purzeln eher durch weniger Kalorien und mehr Bewegung im Alltag als durch das tägliche Glas Wasser mit Ingwerzugabe.

Verschiedene Ingwerscheiben nebeneinander in einer Reihe abgebildet

Scharf und frisch zugleich: die kulinarische Seite von Ingwer

Neben seiner markanten Schärfe überrascht Ingwer auch durch zitronenartige Geschmacksanteile. Deshalb verwendet man ihn gern als Würzmittel in gehaltvollen Gerichten, Süßspeisen und Getränken. Ein traditionell bewährtes Gewürz ist Ingwer in der asiatischen Küche. Doch auch aus der europäischen Alltagsküche ist die Knolle mittlerweile nicht mehr wegzudenken, gerade in der kalten Jahreszeit

Rezepte mit Ingwer

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  • Ingwertee

    Eine gläserne Tasse Ingwertee mit einer Scheibe Zitrone, im Hintergrund u.a. ein Glas Honig eine Ingwerknolle sowie Zitronen

    Schnell zubereitet ist Ingwertee ein bewährtes Hausmittel bei Erkältungen und belegter Stimme. Eine walnussgroße Menge Ingwerknolle wird dazu in Scheiben geschnitten und mit kochendem Wasser übergossen. Wer keine Fasern im Tee mag, kann das Ingwerstück vorher dünn schälen. Der Aufguss muss mindestens zehn Minuten ziehen und kann noch mit etwas Honig gesüßt und zusätzlich mit Zitronenscheiben versehen werden.

  • Ingwershots

    Zwei kleine Schnapsgläschen mit Ingwershot stehen im Vordergrund auf einem hölzernen Tablett, im Hintergrund Zitronen und Ingwerknollen

    Sport- und Gesundheitsbewusste schätzen Ingwershots, in Schnapsglas-Mengen konsumiert, als vitamin- und mineralstoffreich, stoffwechsel- und kreislaufanregend und durchblutungsfördernd. Im Internet finden sich zahlreiche Varianten davon. Man kann sie auf Vorrat zubereiten:

    • 100 g Ingwer
    • 3 Zitronen
    • 2 EL Honig oder Ahornsirup

    Den Ingwer schälen und in kleine Würfel schneiden. Zitronen auspressen und den Saft zu den Ingwerwürfeln in einen Pürierbecher oder in einen Blender geben. Nach Geschmack mit Honig oder Ahornsirup süßen und alles gleichmäßig pürieren. Im Kühlschrank hält sich der Ingwershot ca. sieben Tage.

  • Switchel

    Männerhand schält Ingwer

    Ein Switchel ist ein erfrischendes Trendgetränk aus den USA für den Sommer mit einer scharfen Note.

    • 4o g Ingwer
    • 40 g Ahornsirup
    • 25 ml Apfelessig
    • 300ml Wasser, etwas Sprudelwasser

    Den Ingwer schälen und kleinschneiden oder fein reiben. In einem kleinen Topf mit Deckel in 300 ml Wasser aufkochen und anschließend für mindestens 20 Minuten ziehen lassen. Nach dem Abkühlen durch ein Sieb geben und mit Ahornsirup und Apfelessig mischen. Zum Trinken die Mischung mit Sprudelwasser auf etwa einen Liter verlängern. Noch fruchtiger wird es durch die Zugabe von Zitronen- oder Orangensaft. Man kann die Mengen variieren und statt Ahornsirup auch Agavendicksaft oder Honig nehmen.


    Selbstgemachter Energiedrink im typischen Switchel-Glas mit Strohhalm
  • Gari

    Einmachglas mit eingelegtem Ingwer daneben frische Ingwerknolle

    Gari ist mit Essig und Zucker süß-sauer eingelegter Ingwer, der zum Sushi gereicht wird.

    • 100 g frische Ingwerwurzel
    • 1 TL Salz
    • 100 ml Reisessig (oder Pflaumenessig)
    • 30 g Zucker

    Den Ingwer schälen und mit einem Hobel in hauchdünne Scheiben schneiden. In einer Schüssel mit Salz bestreuen, gut durchmischen und 30 bis 60 Minuten ziehen lassen. Den entstandenen Saft abgießen. Den Ingwer im Sieb kurz abspülen und gut abtropfen lassen. In Schraubgläser verteilen. Den Essig mit dem Zucker aufkochen und heiß über den Ingwer gießen. Die Gläser verschließen und abkühlen lassen. Die Menge an Salz und Zucker kann nach Geschmack angepasst werden. Die Gläser im Kühlschrank aufbewahren. Die Ingwerscheiben müssen vom Essigsud bedeckt sein. So hält sich der eingelegte Ingwer mindestens ein halbes Jahr.


    Stück eingelegter Ingwer wird mit Ess-Stäbchen aus Glas genommen.

Ingwer als Wellness- und Beautytrend – auch für zu Hause

Die Wirkstoffe im Ingwer macht sich auch die Kosmetikindustrie zunutze. Zahlreiche Beautyprodukte versprechen pflegende und wohltuende Kräfte. Eine trockene schuppende Kopfhaut soll sich beispielsweise mit einem Ingwer-Shampoo beruhigen lassen, und wegen der durchblutungsfördernden Wirkung soll ein Haartonikum mit Ingwer das Wachstum der Haare anregen. Naturkosmetische Cremes und Pflegeprodukte setzen auf die antiseptische und entzündungshemmende Funktion und stellen in Aussicht, dass sich bakterielle und virale Infektionen der obersten Hautschicht mit Ingwer-Kosmetik regulieren und deren Heilung beschleunigen ließen. Die Parfümindustrie wiederum setzt den Duft der ätherischen Öle in orientalisch anmutenden Parfüms, Badeölen und Duschcremes ein.
Doch die wohltuenden Eigenschaften lassen sich auch viel kostengünstiger nutzen. Man kann zum Beispiel mehrere Scheibchen frischen Ingwer ins Badewasser geben, um ein durchblutungsanregendes und muskelentspannendes Bad zu genießen. Oder man reibt sich die Füße mit selbstgemachtem Ingweröl ein, um mit gut durchbluteten, warmen Füßen in einen entspannten Schlaf zu finden.
Für solch ein Massage- oder Aromaöl benötigt man 200 ml Olivenöl und 100 g frischen Ingwer. Zuerst die Ingwerwurzel gründlich schälen, dann mit einer Reibe in eine ofenfeste Form hobeln. Das Olivenöl dazugeben und das Gemisch im Herd bei ca. 60 °C zwei Stunden erhitzen. Abkühlen lassen und durch ein engmaschiges Sieb in eine saubere Flasche füllen und verschließen. Nach ca. zwei Wochen hat das Öl sein volles Aroma entwickelt. Es ist ungefähr ein halbes Jahr haltbar. Achtung: Bei Babys und Kindern ist Vorsicht mit ätherischen Ölen und besonders mit scharfem Ingwer angesagt. Ihre Haut und Atemwege sind zu empfindlich dafür.

Verschiedene Ingwerzubereitungen in weißen Schälchen (Draufsicht), zum Beispiel kandiert oder getrocknet,

Verschiedene Zubereitungen von Ingwer (vlnr): frische Knollen, geschält und gestückelt, kandiert, getrocknet und als Pulver.

Wissenswertes zu Ingwer

  • Der botanische Name der Ingwerpflanze, Zingiber officinale, leitet sich aus dem Sanskrit-Wort Singabera bzw. Sringavera ab. Es bedeutet „hornförmig, geweihartig“ und verweist auf die Form der Sprossen.
  • Die bräunliche Haut eines Ingwer-Rhizoms (Wurzelstock) kann ohne Bedenken mitgegessen werden, es sei denn, die Sprosse ist schon älter und sehr trocken. Ähnlich wie beim Apfel sitzen wichtige Mineralien und Vitamine direkt unter der Haut. Deshalb reicht es, die Knolle gründlich unter fließendem Wasser abzubürsten. Wer die Haut nicht mag, kann sie auch gut mit einem Teelöffel abschaben.
  • Die Schärfe eines Ingwer-Rhizoms lässt sich am Umfang erkennen. Denn je dicker der Trieb ist, desto schärfer sind die enthaltenen Stoffe.
  • Beim Kochen oder Erhitzen reduziert sich die Schärfe, dadurch sinkt allerdings auch der gesundheitliche Effekt.
  • Grüner Ingwer wird bereits nach fünf Monaten geerntet und ist sehr mild. In Afrika wird er gern als Speisezutat verwendet.
  • Ginger Ale ist eine kohlensäurehaltige Bitterlimonade mit Ingwerauszügen. Der deutschstämmige Jacob Schweppe hat es 1783 in Genf erstmals entwickelt und ab 1792 auch in London (spätere Marke „Schweppes“) hergestellt.
  • Ingwer gehört neben Anis, Fenchel, Kardamom, Koriander, Macis, Muskat, Nelken, Piment und Zimt zu den klassischen Lebkuchen-Gewürzen.
  • Um frischen Ingwer vor dem Austrocknen zu bewahren und trotzdem immer zur Hand zu haben, kann man die Knolle in kleine Stücke schneiden und tiefkühlen.

Michaela Del Savio

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation

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