Gesundheit

Individuelle Gesundheitsleistungen

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Immer wieder erhalten Patienten in Arztpraxen spezielle, zusätzliche Behandlungsangebote, die sie selbst zahlen sollen. Wie sinnvoll sind diese Extras und warum übernehmen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen für diese sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) nicht die Kosten? Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung und checken Sie zum Beispiel den kostenlosen IGeL-Monitor.

Viele gesetzlich Krankenversicherte kennen das: In der Arztpraxis werden ihnen Behandlungen offeriert, für die sie selbst noch einmal (unter Umständen tief) in die Tasche greifen sollen. Denn diese IGeL werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Begründung: Der medizinische Nutzen ist wissenschaftlich nicht erwiesen oder zumindest unklar. Das sehen die behandelnden Ärzte oder Therapeuten naturgemäß ganz anders und lassen sich die zusätzlichen Leistungen extra honorieren.

Mehr Licht im IGeL-Dickicht

Augeninnendruck-Messung zur Glaukom-Früherkennung, Colon-Hydro-Therapie bei Darmbeschwerden, Akkupunktur in der Schwangerschaft – was hilft nun wirklich beziehungsweise ist medizinisch sinnvoll und unterstützt die Gesundheit? Und auf welche Behandlungen können Patientinnen und Patienten getrost verzichten?
Zusätzlich rund 1,3 Milliarden Euro – so eine Studie des AOKnahen WIdO-Instituts – haben Ärzte bereits 2012 mit Extra-Leistungen verdient. Tendenz steigend. Versicherte machen sich deshalb am besten selbst ein Bild und checken beispielsweise den kostenlosen IGeL-Monitor. Das ist ein Internet-Angebot des MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.), deren Macher sich zum Ziel gesetzt haben, mehr Licht und damit Transparenz in das Dickicht der sogenannten Individuellen Gesundheits-Leistungen (IGeL) zu bringen. Patienten sollen so in die Lage versetzt werden, sich bewusst, auf Basis wissenschaftlich fundierter Informationen für oder gegen eine von Ärzten angebotene Zusatzleistung zu entscheiden.

18 IGeL fallen durchs Raster

Hierzu hat ein Team aus Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten in dem Zeitraum von 2013 bis 2016 zum Beispiel rund 41 IGeL-Angebote systematisch nach ihrem medizinischen Nutzen, aber auch Schaden für Patienten untersucht und Chancen und Risiken gegeneinander abgewägt. Zugrunde gelegt wurden die wichtigsten und aktuellsten wissenschaftlichen Studien aus der internationalen Fachliteratur. Nach jeder Beurteilung wird im IGeL-Monitor die jeweilige ärztliche oder therapeutische Extraleistung außerdem nochmals für medizinische Laien kurz und prägnant beschrieben. Fast immer kann dann auch die jeweilige IGeL in eine von insgesamt 5 Kategorien eingeordnet werden. Von „positiv“, „tendenziell positiv“ über „unklar“ bis hin zu „tendenziell negativ“ und „negativ“. Nur 4 von damals insgesamt 37 bewerteten IGeL erhielten dabei die Beurteilung  „tendenziell positiv“; 18 fielen durch das Raster der Wissenschaftler und wurden in die Kategorien „tendenziell negativ“ (14) oder sogar „negativ“ (4) eingeordnet.

So behalten Sie die IGeL-Kontrolle

Wie das Experten-Team von IgeL-Monitor bestimmte Selbstzahler-Leistungen bewertet und zu seiner Beurteilung gelangt, können Sie hier nochmals selbst unter die Lupe nehmen. Unter „IGeL A-Z“ finden Sie darüber hinaus zu jeder bewerteten Selbstzahler-Leistung sogenannte Merkblätter für das Praxisgespräch. Patientinnen und Patienten können sich mit diesen kurzen Leitfäden zum Beispiel besser auf ein Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt vorbereiten. Welchen gesundheitlichen Vorteil hat die Zusatzbehandlung? Gibt es auch Risiken? Warum soll die Untersuchung überhaupt notwendig sein? Und welche Alternativen zahlt meine Kasse?
Erste Hintergrund-Informationen zum Thema „Individuelle Gesundheitsleistungen“ sind auch auf der BARMER-Homepage nochmals anschaulich und kompakt zusammengefasst. Dort können Sie sich ebenfalls als Gedankenstütze einen Flyer mit den wichtigsten Informationen als PDF-Dokument herunterladen. Auch auf der Website der Verbraucherzentralen ist es sehr gut möglich, sich ein Bild von der Situation auf dem IGeL-Markt zu machen. Unter IGeL-Äger.de können sogar persönliche Erfahrungen weitergegeben werden. So wird in einem kurzen Video zum Beispiel eindringlich davor gewarnt, beim Arztbesuch nicht direkt bei der Anmeldung entsprechende IGeL-Formulare oder -Zahlungseinwilligungen zu unterschreiben.

Michaela Del Savio

Redakteurin, BARMER-
Unternehmenskommunikation

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Kommentar
  1. Die iGel Disskusionen sind sicher notwendig und bedenkenswert weil oft unnötige Behandlungen nur dem Profit dienen.
    Warum aber werden nachgewiesene preiswertere, gesündere und effektivere Dinge nicht bezahlt wie z.B. die DVT (Digitale Volumentomographie) welche eine Leistung ist, die nach Inkrafttreten der derzeit gültigen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) – also nach 1988 – entwickelt wurde und
    mittlerweile zur spitzen Praxisreife gelangt ist. Ausserdem ist Gemäß § 6 Absatz 1 GOZ daher für diese radiologische Leistung ein Rückgriff auf den entsprechenden Abschnitt O der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) möglich.
    Das Argument, dies stehe nicht in der Gebürenordnung ist doch mehr als fraglich, zumal alle ökonomischen und medizinischen Argumente dafür sprechen.

    1. Sehr geehrter Herr Weber,

      vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre klare, deutliche Meinung zum Thema „Igel“ – die sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen. Ziel unseres Artikels ist es vor allem zu mehr Transparenz auf dem IGeL-Markt beizutragen. Patientinnen und Patienten sollen die Möglichkeit haben, sich selbst ein Bild davon zu machen. Die von Ihnen angesprochene 3-D-Röntgentechnik DVT (Digitale Volumentomographie) im zahnärztlichen Bereich ist allerdings im IGeL-Monitor zum Beispiel nicht zu finden. Wir gehen deshalb davon aus, dass es sich bei dieser Untersuchungsmethode zumindest zurzeit noch nicht um eine häufig angebotene und von Patientinnen und Patienten nachgefragte Leistung handelt.
      Sollte es Ihnen in erster Linie jedoch eher um ein anderes Thema, „Kostenübernahme DVT“, gehen, so möchten wir nur kurz darauf hinweisen, dass solche Fragen grundsätzlich nicht von einzelnen Kassen allein entschieden werden. Welche Behandlung, Untersuchung oder Diagnostik in den sogenannten gesetzlichen Leistungskatalog aufgenommen wird und damit von allen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, das legt der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest. Der G-BA – auch kleiner Gesetzgeber genannt – ist ein Gremium im Rahmen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Dort sind sowohl Vertreter der Spitzenverbände der Krankenkassen als auch der Leistungserbringer (Ärzte/Zahnärzte/Kliniken) gleichermaßen vertreten. Per Mehrheitsbeschluss wird also bestimmt, welche Leistungen von jeder gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Informationen hierzu finden Sie auch im IGeL-Monitor oder direkt auf den Seiten des G-BA.

      Mit freundlichen Grüßen
      Michaela Del Savio

  2. Ich bin schockiert, dass die Barmer sich ausschließlich auf Studien verlässt. Wenn keine Studie mit genügend Aussagekraft gefunden wird, dann ergibt sich daraus die Begrifflichkeiten “unklar” oder “tendenziell negativ”. Somit sind diese IGeL nicht zu unterstützen. Wenn aus diesen Studien nicht eine eindeutige Aussage bezgl. der Verringerung der Sterberate resultieren sind diese “unklar” und es wird nicht einmal in Betracht gezogen, ob ein Vermeidung oder Linderung eines evtl.. Leidensweg oder eine Aufklärung dadurch stattfinden könnte. Die Toden werden am Ende gezählt.
    Wie allzeit bekannt “Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast” – Das Gleiche trifft wohl auch auf Studien zu.

    1. Hallo Anja,

      auch Ihnen vielen Dank für Ihren deutlichen Kommentar, der uns zugegebener Maßen ein wenig irritiert, da wir weder in unserem Artikel noch auf einer der von uns empfohlenen Internetplattformen entsprechende Hinweise auf die von Ihnen dargestellten Prozesse bzw. Aussagen gefunden haben. Im Gegenteil: Im Artikel verweisen wir zum Beispiel ausdrücklich auf die entsprechenden Seiten des IGeL-Monitor, auf denen die Methodik nochmals eingehend dargestellt ist. Dabei wird unter anderem auch kein Hehl daraus gemacht, dass die unterschiedlichen Bewertungsstufen als Unterstützung dienen sollen und die Entscheidung letztendlich bei den Patienten liegt, die nach Abwägen aller Informationen, wozu selbstverständlich auch das Gespräch mit dem behandelnden Arzt gehört, zu einem für sie individuell passenden Ergebnis kommen müssen. Also sich am besten selbst ein Bild machen, bevor sie sich für eine IGeL entscheiden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Michaela Del Savio

  3. Meine Partnerin war letztens beim Augenarzt weil sie eine neue Brille brauchte. Dabei musste sie auch das Formular unterschreiben für die Untersuchung (grüner Star). Es wurde ihr genau so wie im Film gesagt sie soll die Untersuchung machen lassen weil sie schon etwas älter ist und sie blind werden könnte. Ich wusste nicht das diese Untersuchung eine Igel Leistung ist. Vielen Dank deshalb für diesen Film und Information.

    1. Guten Tag Herr Filtz,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Es freut uns zu lesen, dass wir Ihnen mit unserem Artikel ein Plus an Informationen liefern konnten und hoffen, dass diese Informationsquellen Ihnen auch in Zukunft bei Entscheidungen Pro oder Contra IGeL nützlich bzw. hilfreich sein werden. Denn – wie im Film von der Verbraucherzentrale NRW – möchten auch wir als BARMER GEK Redaktion Patientinnen und Patienten bei dieser Entscheidung unterstützen und ihnen qualitätsgesicherte Informationen und Fakten an die Hand geben.

      Mit freundlichen Grüßen
      Michaela Del Savio

  4. Diese Verbindung ist nicht sicher

    Der Inhaber von http://www.igel-aerger.de hat die Website nicht richtig konfiguriert. Firefox hat keine Verbindung mit dieser Website aufgebaut, um Ihre Informationen vor Diebstahl zu schützen.

    Diese Meldung erscheint, wenn ich die empfohlende Seite öffnen möchte.

  5. … der süffisante Ton in dem Artikel ist unpassend. Beispiel: “Das sehen die behandelnden Ärzte oder Therapeuten naturgemäß ganz anders”. Was soll denn naturgemäß heißen? Ärzte oder Therapeuten denken nur an ihren Geldbeutel und nicht an das Wohl der Patienten? Gleiches könnte man der GEK vorwerfen, da wären Sie zurecht auf entrüstet über solche Pauschalisierung. R.

    1. Hallo Rosa,

      schade, dass Sie das so sehen. Süffisant sollte der Artikel nicht wirken. Ziel war es vielmehr, dass sich jede Leserin und jeder Leser selbst ein Bild über das Thema IGeL macht.

      Mit freundlichen Grüßen
      Michaela Del Savio