Tropfen Honig, Nahaufnahme

Honig – das leckere Hausmittel

Besonders wir Deutschen lieben den Honig: Im Durchschnitt essen wir pro Kopf rund ein Kilo davon jährlich und liegen damit weltweit an der Spitze. Honig ist aber nicht nur lecker als Aufstrich auf unserem Frühstücksbrötchen oder als Süße in Getränken, Marinaden, Back- und Süßwaren. Abgesehen von seinem Kaloriengehalt soll er als Naturheilmittel auch wohltuend sein. Seine Wirkung haben schon Hippokrates und Paracelsus beschrieben.

Bis zu 200 Inhaltsstoffe kann Honig enthalten. Die Grundlage bilden Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker) in Anteilen zwischen jeweils 20 bis 45 Prozent je nach Beschaffenheit sowie Wasser (bis zu 20 Prozent). In geringen Mengen enthält er noch Pollen, Di- und Oligo-Saccharide (Saccharose, Maltose, Melezitose), Enzyme (Glucose-Oxidase, Invertase, Phosphatase, Diastase, Katalase, Amylase etc.), Mineralstoffe, Proteine, Aminosäuren (Prolin) und Vitamine sowie Farb- und Aromastoffe.

Wie wirksam ist Honig?

Hauptsächlich wird dem Honig eine antivirale, antibakterielle und antimykotische Wirkung nachgesagt. In der Breite erforscht sind diese Vorgänge noch nicht. Dennoch: Der hohe Zuckeranteil von rund 80 Prozent soll Krankheitserregern genau das entziehen, was sie zum Überleben brauchen: Feuchtigkeit.

Bereits in der Antike hat man Honig so zur Behandlung von Hautreizungen und kleinerer Hautverletzungen eingesetzt, besonders dann, wenn Wunden schlecht trockneten. Eine Studie an deutschen und österreichischen Kliniken zeigte, dass diese mit medizinischem Honig besser heilten und sich schneller schlossen. Ausschlaggebend war wohl der hohe Zuckergehalt und der niedrige pH-Wert des Honigs, was den Wasserentzug an der Hautoberfläche begünstigt. Bei schweren Verbrennungen scheint Honig die Wundheilung allerdings eher zu verzögern. In der Lokaltherapie chronischer Wunden rät die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung daher vom Einsatz ab.

Das im Honig erhaltene Enzym Glucose-Oxidase (GOD) erzeugt bei der Umwandlung von Glucose zu Glukonsäure Wasserstoffperoxid, das hemmend auf Bakterien wirkt. Über körpereigene Sekrete fügen die Bienen dieses Enzym dem Nektar schon beim Rückflug in den Bienenstock zu. Damit sorgen sie dafür, dass der Honig als Nahrungsgrundlage und Wintervorrat gut konserviert bleibt.

H wie Hustensaft

Bei einer typischen Erkältung wird als bewährtes Mittel aus der Hausapotheke empfohlen, einen Löffel Honig langsam im Mund zergehen zu lassen oder in warmer Milch bzw. in Tee gelöst einzunehmen. Der dickflüssige Honig, auch in Kombination mit der warmen Flüssigkeit, wird so schon als wohltuend empfunden.

Studien mit Kindern deuten darauf hin, dass Honig bei einem Infekt den Husten und die Reizung im Hals leicht lindern kann. In einigen Studien mit an Krebs erkrankten Menschen half er zudem, Beschwerden durch Entzündungen an der Mundschleimhaut zu lindern. Für Kinder unter einem Jahr gibt es jedoch klare Einschränkungen: Honig ist Zucker und damit kein Lebensmittel für die Allerkleinsten. Das Bakterium Clostridium botulinum, das im Naturprodukt Honig in geringen Mengen enthalten sein kann, könnte außerdem bei ihnen eine gefährliche Lebensmittelvergiftung hervorrufen.

Biene auf Blüte der Manukapflanze

Eine Honigbiene sucht Nektar auf den Blüten von Manukapflanzen.

Und Manukahonig?

Ein bestens vermarkteter Trend ist der Manukahonig, der von der in Neuseeland vorkommenden Manukapflanze (Südseemyrte) gewonnen wird. Er enthält einen hohen Anteil an Methylglyoxal, einem Ketoaldehyd, das die Zellmembran von Bakterien schädigt. In manchen Kliniken wird „medizinisch reiner“, also keimfreier Manukahonig zur äußerlichen Behandlung von Wunden verwendet. Bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen und bei Magen-Darm-Beschwerden soll er ebenfalls hilfreich sein. Dennoch: Ein breiter Nachweis durch Studien fehlt auch hier noch. Bedenken muss man auch, dass Manukahonig für den Konsum als Import-Honig einen ungünstigen CO2-Fußabdruck verursacht und allzu oft auch verfälscht oder gestreckt in den Handel gelangt.

Tradierte Erfahrungen über Jahrtausende und einzelne Studien zeigen also, dass Honig wohltuend ist: Er hat gewisse Eigenschaften, die Viren und Bakterien hemmen können und sich positiv auf die Regeneration von Hautzellen auswirken. Noch sind nicht alle seine Bestandteile in ihrer Wechselwirkung durchleuchtet – und so bleibt Honig für die Medizinforschung ein spannendes Thema.

Kleinkind entdeckt Biene auf lilafarbener Blüte

Beeindruckende Bienen

Nach Rind und Schwein steht die Honigbiene auf Platz drei unserer wichtigsten Nutztiere in Deutschland. Sie leistet auch wirklich Enormes: Rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hängen von ihrer Bestäubungsleistung ab. Damit sichert sie natürliche Artenvielfalt und reiche Ernte. Für ein Kilo Honig fliegt eine Arbeitsbiene fast 250.000 Kilometer, das entspricht etwa sechs Erdumrundungen. Dabei kann sie bis zur Hälfte ihres Körpergewichts an gesammeltem Nektar über mehrere Kilometer zurück zum Bienenstock transportieren.

Weltweit gibt es geschätzt mehr als 20.000 verschiedene Bienenarten. In Deutschland kennen wir allein bis zu 600 Wildbienen-Arten und drei Honigbienen-Rassen. Die kleinste Wildbiene ist dabei lediglich ca. vier Millimeter groß, eine Honigbiene schon viermal so lang. Zu den größten Arten hierzulande zählt die markante blauschwarze Holzbiene mit bis zu drei Zentimetern.

Quelle: BMEL

Welche Honigarten gibt es?

Guter Honig ist in einem gut verschlossenen Gefäß, zum Beispiel einem Schraubglas oder einem Honigeimer, bis zu einem Jahr und darüber hinaus lagerfähig, sofern er bei Zimmertemperatur trocken und dunkel steht. Ob er kristallisiert, hängt nicht von den Lagerbedingungen ab, sondern eher von seiner Zusammensetzung. Ein Honig mit höherem Fruchtzuckeranteil bleibt länger flüssig.

Da Honig ein Lebensmittel ist, gelten für seine Kennzeichnung strenge Richtlinien, die in der „Honigverordnung“ verabschiedet sind. Man unterscheidet nach Ursprungsland, regionaler Herkunft, Verkehrsbezeichnung, Verwendungshinweis, Erzeugerhinweis („aus eigener Imkerei“) oder nach besonderen Qualitätsmerkmalen:

  • Blütenhonig: Damit werden Honigsorten und Honigmischungen bezeichnet, die aus dem Nektar
    von Blüten wie Raps, Akazie (in Deutschland Scheinrobinie), Löwenzahn, Wiesenblumen, Obstbaumblüten etc.
    gewonnen werden. Als „monofloral“ wird Honig bezeichnet, der aus einer einzigen Blütensorte zusammengetragen
    wurde, beispielsweise nur von Akazienhonig, Rapshonig, Lindenhonig, Heidehonig etc.
  • Waben- oder Scheibenhonig: Imker schleudern ganze Bienenwaben in einer Zentrifuge, um den Honig darin wachsfrei herauszulösen, bevor sie ihn abfüllen. Bei
    Waben- oder Scheibenhonig handelt es sich jedoch um
    eine kleine Scheibe aus einer Bienenwabe, die direkt
    ins Glas gesteckt wird. Herausgeschnitten wird sie, wenn
    die Wabenwände noch relativ dünn aufgebaut und hell
    in der Farbe sind. Scheibenhonig gilt als besonders naturbelassen und gehaltvoll.
  • Gelée Royale: Die Spezialnahrung der Bienenkönigin
    wird in den Kopfdrüsen von Honigbienen gebildet. Diesem Futtersaft wird ein Anti-Aging-Effekt unterstellt, der jedoch unbelegt ist. Für Asthmatiker und Atopiker kann das Gelee aufgrund seines allergischen Potenzials sogar gefährlich werden. Das gilt auch für das im Reformhaus erhältliche Propolis, das wie Honig reich an Bestandteilen ist. Dieser Kittharz für die Bienenwaben soll das Immunsystem
    stärken, wofür es keinen wissenschaftlichen Beleg gibt.
    Beide Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel
    im Handel.
  •  Waldhonig: Der dunkelfarbige Honig mit kräftigem Aroma entsteht vollständig oder überwiegend aus dem Honigtau von Schild- und Blattläusen, den die Bienen von Waldbäumen einsammeln. „Tannenhonig“ stammt vom Honigtau auf Weißtannen, wie sie im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald zu finden sind.
  • Echter deutscher Honig: Honig mit diesem rechtlich geschützten Qualitätsmerkmal wird im typischen Glas des Deutschen Imkerbundes vertrieben. Dieser naturbelassene Honig stammt ausschließlich aus Trachtgebieten in Deutschland. Er enthält keine durch Fütterung der Bienen beigemischten Zusätze und muss bestimmte Qualitätsansprüche bei Wassergehalt (maximal 18 Prozent, Heidehonig 21,4 Prozent), Geschmack und Konsistenz (feinkristallin oder flüssig) erfüllen.
  • Invertzuckercreme oder Kunsthonig: Diese zähe bis feste Masse ist kein Naturprodukt von Bienen, sondern ein industrielles Produkt, das früher in Notzeiten ersatzweise verwendet wurde. Dafür wird der Zweifachzucker Saccharose aus Rüben- oder Rohrzucker gewonnen und mithilfe von Säure in die Einfachzucker Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker) zerlegt („invertiert“). Damit die Konsistenz cremiger wird, gibt man noch Stärke dazu. Beim Bienenhonig erfolgt dieser Vorgang mithilfe des Enzyms Invertase, das im Honigmagen der Bienen dazugegeben wird. Heute wird Kunsthonig nur noch selten zur Herstellung von Backwaren verwendet. Für den medizinischen Hausgebrauch hat er keine Bedeutung.

Ohne Bienen kein Honig!

Wild- und Honigbienen sind für Mensch und Natur wichtig, jedoch inzwischen auch sehr gefährdet. Bakterien, Viren und Parasiten wie die Varroa-Milbe haben in der Vergangenheit ganze Völker vernichtet. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika können unter Umständen in den Honig und damit in die Nahrungskette gelangen. Auch Waldrodungen sowie der Klimawandel mit viel zu heißen und trockenen Sommern setzen ihnen zu. Und oft fehlt es in Hausgärten und in der Landwirtschaft an ausreichend Bienenweiden mit Pflanzen, die genügend Nektar für die Bienen bereitstellen.

Der Naturschutzbund (NABU) gibt Hobbygärtnern Tipps, wie sie ihre Gärten und Balkone bienenfreundlich bepflanzen können. Zum Beispiel mit Kräutergärten, Blumen, Sträuchern und Obst, mit Wasserquellen oder Bienenhotels speziell für die Wildbienen. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informiert unter bienenfuettern.de, wie man helfen kann, selbst wenn man allergisch auf Pollen wäre. Ein Lexikon hilft bei der Auswahl geeigneter Pflanzen. Regionale Imker kann man unterstützen, indem man guten, qualitativ hochwertigen Honig direkt bei ihnen kauft.

Wiese mit bunten Bienenstöcken

Michaela Del Savio

Redakteurin, BARMER | eMagazin

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