Hepatitis ist durch und durch tückisch: Mal zeigt sich die Leberentzündung mit voller Wucht – mal schleicht sie sich langsam an
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Angriff auf die Leber – das steckt hinter Hepatitis

Hepatitis ist durch und durch tückisch: Mal zeigt sich die Leberentzündung mit voller Wucht – mal schleicht sie sich langsam an. Symptome? Gibt es viele! Manche sind eindeutig, andere überhaupt nicht. Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen – das könnte schließlich alles sein.
Wer Hepatitis hat, kämpft mit einer Leberentzündung. Umgangssprachlich wird sie auch Gelbsucht genannt. Eine Hepatitis kann die Leberzellen schädigen und damit die Funktion der Leber stark beeinträchtigen. Spezielle Hepatitisformen . Wie die Krankheit zu behandeln ist? Das kommt ganz darauf an. Denn Hepatitis ist nur ein Oberbegriff, der für sämtliche entzündlichen Lebererkrankungen steht – egal welche Ursache dahintersteckt. Und Ursachen gibt es viele: Vor allem Viren sind für die häufigsten Hepatitis-Formen verantwortlich. Aber auch Bakterien, Gifte, Medikamente oder übermäßiger Alkoholkonsum können die Krankheit auslösen. In Deutschland am weitesten verbreitet ist die Hepatitis C.
Hepatitis kann entweder chronisch oder akut verlaufen. Eine akute Hepatitis dauert weniger als sechs Monate. Die chronische Form hält länger an – dahinter stecken dann häufig Infektionen mit Hepatitisviren vom Typ B und C.

Info

Hepatitis ist durch und durch tückisch: Mal zeigt sich die Leberentzündung mit voller Wucht – mal schleicht sie sich langsam an

Für die Diagnostik der einzelnen Hepatitisformen wird eine Blutprobe auf Antikörper gegen Hepatitisviren (A, B, C, D und E) untersucht (Hepatitis-Serologie). Experten sprechen von einem indirekten Hepatitis-Test. Dabei zeigt die Art der nachgewiesenen Antikörper gleichzeitig, wie weit die Leberentzündung bereits fortgeschritten ist.

Die wichtigsten Fakten über die verschiedenen Hepatitis-Viren

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Zweifelsfreie Hygiene bei Lebensmitteln und Trinkwasser ist auf Reisen in ferne Länder nicht immer gewährleistet.

Hepatitis A ist eine akute Form der Leberentzündung. Sie wird häufig als „Reise-Hepatitis“ bezeichnet. Nahezu alle Menschen in Entwicklungsländern haben die Infektion bereits durchgemacht. In Industrieländern kam es hingegen in den letzten Jahrzehnten zu einem deutlichen Rückgang. Die Folge: Immer mehr Menschen aus den westlichen Ländern haben keine Immunität gegen Hepatitis A und sind ohne Impfung in südeuropäischen und tropischen Ländern infektionsgefährdet. Für Reisende in Risikogebiete empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Hepatitis A. Die Empfehlung gilt auch für weitere gefährdete Personen wie Menschen mit Lebererkrankungen, homosexuelle Männer und Personen, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kitas oder bei der Polizei arbeiten.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Übertragungswege

Fäkal-oral durch Kontakt- oder Schmierinfektion. Zum Beispiel bei engen Personenkontakten im Kindergarten oder gemeinsamem Haushalt, aber auch durch den Verzehr verunreinigter Lebensmittel oder verunreinigtem Wasser.

• Symptome

Die Hepatitis A verläuft häufig ohne Symptome – vor allem bei Kindern. Sie wird meistens gar nicht bemerkt und heilt in 99 Prozent der Fälle von selbst aus. Wenn Symptome auftreten, sind sie nicht eindeutig. Betroffene können Schmerzen im Oberbauch, leicht erhöhte Temperatur, Appetitlosigkeit und Übelkeit entwickeln. Bei einigen Patienten kommt es im Verlauf zur Gelbsucht mit der typisch gelblichen Haut und der gelblichen Färbung der weißen Bindehaut der Augen. Diese Phase kann einige Tage bis mehrere Wochen andauern.

• Therapie

Eine echte Therapie gibt es nicht. Meist reicht es, die Symptome wie Erbrechen und Schmerzen zu behandeln und Bettruhe einzuhalten. Wichtig: Bei Hepatitis A ist Alkohol tabu!

Symptome bei Hepatitis B: unter anderem Erschöpfungsgefühl und Unwohlsein.

Hepatitis B gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Rund 40 Prozent der gesamten Weltbevölkerung weisen Antikörper gegen den Virentyp B auf – was ein Zeichen für eine bestehende Infektion oder eine durchgemachte Erkrankung ist. Hepatitis B kann akut und chronisch verlaufen. Die Ansteckungsgefahr ist viel höher als bei HIV. Schon ein Mikroliter Blut kann ausreichen, um sich zu infizieren – das ist gerade mal ein Tausendstel Milliliter.
Bei Erwachsenen heilt die akute Form meist aus und hinterlässt keinen Schaden. Bei Neugeborenen und Kleinkindern verläuft die Krankheit jedoch überwiegend chronisch. Die chronische Form kann zu einer Leberzirrhose führen und steigert das Risiko für Leberzellkrebs. Das Tückische an Hepatitis B: Viele Menschen haben bei der chronischen Form keine Symptome. Das Virus kann dann unbemerkt die Leber angreifen und irreversibel schädigen. Gegen Hepatitis B gibt es aber eine schützende Impfung und auch für Erkrankte stehen sehr wirksame Therapien zur Verfügung.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Übertragungswege

Über infiziertes Blut und andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Vaginalsekret, Speichel, Muttermilch und Tränenflüssigkeit.

• Symptome

Bei akuter Hepatitis: Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Gelenkbeschwerden, leichtes Fieber. Bei einigen Betroffenen verliert der Stuhlgang seine dunkle Farbe und wird deutlich heller, während der Urin gleichzeitig deutlich dunkler wird. Haut und Bindehaut der Augen färben sich gelb. Die Symptome verschwinden in der Regel nach vier bis sechs Wochen.

Bei chronischer Hepatitis: Häufig keine Symptome. Manche Betroffenen empfinden Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfung und einen Druck im rechten Oberbauch. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Leberzirrhose und Leberkrebs.

• Therapie

Es gibt wirksame medikamentöse Therapien, die die Viren in Schach halten. Werden die Medikamente abgesetzt, flammt die Erkrankung aber wieder auf. Forscher arbeiten derzeit an einer neuen Therapie – der sogenannten T-Zelltherapie – die eine Heilung ermöglichen könnte.

Bei chronischer Hepatitis C kann es unter anderm zu Gelenk- und Muskelbeschwerden kommen.

Hepatitis C ist weltweit verbreitet und kann akut oder chronisch verlaufen. In 50 bis 80 Prozent der Fälle entwickelt sich eine chronische Infektion, die dauerhaft im Körper bleibt. Wird sie nicht behandelt, kann es zu Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs kommen. Anders als bei Hepatitis A und B gibt es keine Impfung. Auch eine bereits überstandene Hepatitis C schützt nicht vor einer neuen Infektion. Aber es gibt auch eine  gute Nachricht: Dank neuer Medikamente ist die Hepatitis C heute fast immer heilbar.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Übertragungswege

Über infiziertes Blut, wenn es in die Blutbahn oder Schleimhäute eindringt. Große Ansteckungsgefahr besteht bei gemeinsam benutzten Spritzbesteck unter Drogenabhängigen. Auch medizinisches Personal ist bei Nadelstichverletzungen gefährdet. Eine sexuelle Übertragung ist ebenfalls möglich.

• Symptome

Die meisten Patienten mit akuter oder chronischer Hepatitis C haben lange keine Symptome. Wenn es zu Beschwerden kommt, sind sie oft uneindeutig. Betroffene berichten von Müdigkeit, Übelkeit, hellem Stuhlgang, dunklem Urin, grippeähnlichen Symptomen oder Fieber. Im Spätstadium kann eine Zirrhose oder Leberzellkrebs auftreten. Bei der chronischen Form kann es noch zu weiteren Komplikationen wie Gelenk- und Muskelbeschwerden, Depressionen und Ängste, Neuropathien, trockener Mundschleimhaut, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen kommen.

• Therapie

Hepatitis ist heute dank mehrerer neuer Medikamente fast immer heilbar. Die Therapien dauern in der Regel acht bis zwölf Wochen. Patienten gelten als geheilt, wenn drei bis sechs Monate nach Therapie-Ende keine Hepatitis-C-Viren mehr im Blut nachweisbar sind.


Zwischen-Info: Was ist eine Zirrhose?

Die Zirrhose ist eine sehr schwere Lebererkrankung, die sich über längere Zeit entwickelt. Auslöser kann beispielsweise eine Hepatitis sein. Bei einer Leberzirrhose vernarbt die Leber nach und nach. Funktionsfähiges Lebergewebe wird zerstört und durch funktionsloses Bindegewebe ersetzt. Die Leber verhärtet sich, schrumpft und vernarbt von innen. Eine Zirrhose lässt sich nicht rückgängig machen, allerdings kann man ein Fortschreiten der Krankheit stoppen, wenn die Ursachen behoben werden. Ab einem bestimmten Krankheitsstadium ist das Lebergewebe so stark angegriffen, dass nur noch eine Leber-Transplantation in Frage kommt.

Eine Impfung, doppelter Schutz. Wer gegen Hepatitis B geimpft ist, ist auch vor Hepatitis D geschützt.

Hepatitis D ist das gefährlichste Hepatitis-Virus und besonders aggressiv. Die Infektion kommt allerdings nur vor, wenn ein Mensch bereits unter Hepatitis B leidet. Man kann sich also nicht allein damit infizieren. Hepatitis D sorgt vor allem für eines: die Verschlechterung der chronischen Hepatitis B. Sie lässt das Risiko für eine fortgeschrittene Zirrhose und Komplikationen steigen. Die gleichzeitige Infektion mit Hepatitis B und D ist in Deutschland selten. Wer gegen Hepatitis B geimpft ist, ist auch vor Hepatitis D geschützt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Übertragungswege

Über infiziertes Blut, wenn es in die Blutbahn oder Schleimhäute eindringt. Es kann auch sexuell übertragen werden.

• Symptome

Ähnlich wie bei Hepatitis B. Bei einer frischen Infektion gibt es häufig gar keine Symptome. Manche Betroffenen spüren leichte, grippeähnliche Beschwerden, haben hellen Stuhl und dunkeln Urin. Es kann auch zu einer Gelbfärbung von Haut und dem Weißen im Auge kommen. Auch wenn die Infektion chronisch verläuft, haben die meisten Erkrankten außer Müdigkeit keine Symptome und bemerken die Infektion erst, wenn sich eine Zirrhose oder Leberkrebs entwickelt.

• Therapie

Hepatitis D kann mit einer sogenannten Peg-Interferon-Therapie behandelt werden. Sie richtet sich gleichzeitig gegen Hepatitis B. Meistens führt die Therapie nicht zur Heilung, aber behindert die Vermehrung der Viren deutlich.

Cook it, peel it or leave it – nach dieser Regel sollten im Ausland vor allem Schwangere verfahren, um gefährliche Infektionen zu verhindern.

Hepatitis E kommt in Deutschland eher selten vor. Die meisten Menschen infizieren sich auf Reisen in Länder, in denen die Krankheit verbreitet ist. Das sind unter anderem die Balkanländer, der Mittlere Osten, Nord- und Westafrika, Mittel- und Südamerika sowie Indien. Die Infektion verläuft akut und verschwindet in der Regel von selbst wieder, ohne Schäden zu hinterlassen. Nur für schwangere Frauen kann sie sehr gefährlich werden und zu einem Leberversagen führen. Eine Impfung gegen Hepatitis E gibt es nicht. Man kann das Risiko einer Ansteckung nur senken, indem man auf Reisen in Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen Wasser abkocht und keine Meeresfrüchte, rohes Fleisch und Fisch verzehrt. In Deutschland sollte man Wildfleisch und Innereien von Wildschweinen, Hirschen und Hausschweinen nur gut durchgegart essen.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Übertragungswege

Fäkal-oral, meist über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Muscheln und Speiseeis. In Industrieländern durch nicht ausreichend durchgegartes Fleisch oder Inneren von Wildtieren.

• Symptome

Hepatitis E verläuft meist ohne Symptome. Manche Betroffenen bemerken leichte Beschwerden wie Bauchschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, farblosen Stuhl, dunklen Urin oder eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Bindehaut der Augen.

• Therapie

Es gibt keine Therapie. Die Krankheit heilt in der Regel von selbst aus. Schwere Verläufe sind aber auch möglich. In diesen seltenen Fällen kommt nur eine Lebertransplantation in Frage.

Hepatitis-G-Viren sind mit den Hepatitis-C-Viren verwandt. Die korrekte Bezeichnung lautet „GB-Virus-C“ (GBV-C). Dieses Virus wurde erst in den 90er-Jahren entdeckt. Das Wissen über Hepatitis G ist noch begrenzt. Bis heute geht man davon aus, dass das Virus in der Regel kein Krankheitsbild verursacht. In seltenen Fällen kann es zu einer akuten Leberentzündung kommen. Ob Hepatitis-G-Viren zu einer chronischen Entzündung führen können, ist umstritten.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

• Übertragungswege

Über Blutkontakt und Schmierinfektionen.

• Symptome

Keine.

Therapie

Nicht erforderlich, da Hepatitis G in der Regel keinen Krankheitswert hat.

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