Gesundheit

Heil- und Wildkräuter für die Sommerküche

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In Blättern, Blüten und Sprossen von Heilkräutern sind unterschiedliche Inhaltsstoffe lindernd und heilend wirksam, besonders jedoch ätherische Öle und sekundäre Pflanzenstoffe wie Glykoside, Alkaloide, Harze oder Bitter- und Gerbstoffe. So können die Bitterstoffe in klassischen Küchenkräutern wie Salbei, Lorbeer, Basilikum, Thymian, Rosmarin oder Wermut nicht nur herrlich würzen, sondern auch den Appetit anregen und die Verdauung fördern. Dill, Fenchel, Wacholder und Bohnenkraut wirken auf Magen und Darm beruhigend und regulierend. Petersilie, Basilikum, Kresse und Borretsch wirken anregend auf die Nierentätigkeit und die Harnbildung.

 

Neun Heilkräuter im Kurzporträt

Von diesen traditionell bewährten Heilkräutern lassen sich einige mit etwas Glück jetzt auch auf heimischen Sommerwiesen und am Waldrand wild sammeln.

 

Heil- und Wildkräuter für den Hausgebrauch: echter Dost (Origanum vulgare)

Echter Dost Origanum vulgare

Der gewöhnliche Dost (auch wilder Majoran, wilder Oregano, Wohlgemut) ist ein Halbstrauch für sonnig-trockene Wiesen und Hänge und lichte Wälder mit einem aromatischen mediterranen Duft. Er wächst von Juli bis September mit kleinen, rosa-purpurfarbenen Blütenständen über einfachen ovalen Blättchen. Das ätherische Öl des Dosts ist reich an Phenolen, kann jedoch in hoch konzentrierter Form auch hautreizend sein. Das darin enthaltende Carvacrol wirkt antibiotisch und entzündungshemmend.

Anwendung: Alternativ zum Kulturmajoran kann auch Dost als Würze in Salaten, Ölen und auf Pizza verwendet werden. Ein Teeaufguss aus Blättern und Blüten wird als linderndes Hausmittel bei Husten und Entzündungen im Mund- und Rachenraum verwendet.

 

Heil- und Wildkräuter: Hopfen Origanum vulgare

Hopfen Humulus lupulus

Hopfen gehört zur Gattung der kletternden Hanfgewächse. Er wächst von Juli bis August wild in Auenwäldern und zählt zu den beliebtesten Heilkräutern. Im Kulturanbau wird er an bis zu sechs Meter hohen Stangen gezogen. Die weiblichen Blüten des echten Hopfens, die eine Zapfenform haben, werden als Bitterwürze zum Bierbrauen verwendet. Bei der Ernte sollte man Handschuhe tragen, da Blätter und Stängel mit rauen Borsten versehen sind.

Anwendung: Mit Hopfen gefüllte Kissen sind als Einschlafhilfen beliebt. Tee aus Hopfenzapfen wirkt (oft auch in Kombination mit Baldrian und Melisse) beruhigend bei Schlafschwierigkeiten, Unruhe, Nervosität und Migräne sowie bei Problemen mit der Verdauung.

 

Heilkräuter für den Hausgebrauch: Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Echtes Johanniskraut Hypericum perforatum

Das goldgelb blühende Kraut an aufrecht wachsenden Stängeln blüht um „Johanni“, also um den 24. Juni bis in den August hinein an Wegrändern, Böschungen und auf Magerwiesen. Zerreibt man die gelben Blüten, sondern sie einen färbenden roten Saft ab. Genutzt werden Kraut, Blüten und Knospen, die Hypericin, Hyperforin, Phloroglucinderivate und Flavonoide enthalten.

Anwendung: Johanniskraut wird, als Tablette, Tee oder Auszugsschnaps eingenommen, eine stimmungsaufhellende und beruhigende Wirkung nachgesagt. Sein Öl (Rotöl, Johannisöl) wird als Einreibung bei Hautproblemen (trockene und schuppige Haut, Neurodermitis, Verbrennungen), Hexenschuss, Gicht, Rheuma, Verrenkungen, Verstauchungen und Blutergüssen sowie bei kleinen Wunden eingesetzt. Die Blüten werden in Oliven- oder Sonnenblumenöl eingelegt und einige Wochen ins Licht gestellt (Mazeration). Das in den Blütenblättern enthaltene rote Hypericin kann die Haut lichtempfindlich machen (Sonnenbrandneigung). Da Johanniskraut mit anderen Arzneimitteln wechselwirksam sein kann, sollte unbedingt vorher ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.

 

Heilkräuter für den Hausgebrauch: Echte Kamille (Chamomilla recutita)

Echte Kamille Chamomilla recutita

Von Mai bis August blühen die kleinen weißen Zungenblüten mit den sonnengelben Herzen auf sonnigen Äckern, an Wegrändern und auf Brachen. Die typisch duftenden ätherischen Öle der Blüten enthalten Bisabolol, Matricin, Flavonoide wie Apigenin und Quercetin, sowie Cumarine. Diese Kombination wirkt antibakteriell, desinfizierend, entzündungshemmend und unterstützend für die Wundheilung, außerdem beruhigend auf Nerven und Muskeln im Magen-Darm-Trakt.

Anwendung: Aus den frischen oder getrockneten Blüten wird ein Tee zubereitet, der zum Beispiel bei Bauchweh, Blähungen oder Verdauungsbeschwerden sowie bei grippalen Infekten getrunken wird. Inhalationen mit Kamilledampf lindern Schnupfen und Husten. Gurgellösungen helfen bei Zahnfleischentzündungen und rauem Hals. Frische Blüten sind eine essbare Dekoration in Salaten.

 

Heilkräuter für den Hausgebrauch: Pfefferminze (Mentha piperita)

Pfefferminze Mentha piperita

Der erfrischende Geschmack von Pfefferminze findet sich in Bonbons, Schokolade, Kaugummi, Keksen, Kuchen sowie in kosmetischen oder pflegenden Produkten wie Zahnpasta. In der Heilkunde werden die gezahnten Blätter des Krauts genutzt, die zerrieben den typischen Minzgeruch ausströmen. Pfefferminze zählt zu den beliebtesten Heilkräutern und wächst in verschiedenen Arten wild und als Kulturpflanze in Gärten. Sie blüht von Juli bis September. Das ätherische Öl beinhaltet Menthol, Menthylacetat, Menthon und Menthofuran. Menthol entspannt die Muskeln des Darms. Es wirkt verdauungsanregend und hilft bei Bauchkrämpfen und Magen-Darm-Beschwerden. Auf der Haut hat es einen scheinbar kühlenden Effekt.

Anwendung: Tee aus Pfefferminze, gern in Kombination mit Kamille und Melisse, erfrischt als lauwarmes oder kaltes Sommergetränk und wirkt heiß getrunken wohltuend bei grippalen Infekten. Minzöl (auch als „Japanöl“ im Handel) kann festsitzenden Schleim in den Bronchien lösen und die Atemwege bei Schnupfen und Husten befreien. Wenige Tropfen in heißem Wasser können inhaliert oder bei Spannungskopfschmerzen auf den Schläfen verrieben werden. Wie alle ätherischen Öle kann Minzöl in hoher Konzentration jedoch auch reizend wirken und eine Allergie oder einen Asthmaanfall auslösen.

 

Wildkräuter-Quiz: Melisse (Melissa officinalis)

Melisse Melissa officinalis

Die halbrund gesägten Blätter der Melisse sind als frische, zitrusartig duftende Zugabe in Kräutertee-Mischungen, Bowlen, Likören, Salaten und Fischspeisen beliebt. Ihr ätherisches Öl enthält Citral, Geraniol, Neral und Citronella für das zitronenähnliche Aroma, außerdem Caryophyllen und Gerbstoffe wie Rosmarinsäure.

Anwendung: Melisse wirkt leicht beruhigend und angstlösend und unterstützt das Entspannen und Einschlafen. Der Tee hilft bei Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Hoch konzentrierte Wirkstoffe können nachweislich Lippenherpes in Schach halten.

 

Heilkräuter für den Hausgebrauch: Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

Rosmarin Rosmarinus officinalis

Der immergrüne, holzige Strauch gedeiht wild oder kultiviert an trockenen, sonnigen Standplätzen. Rosmarin blüht mit kleinen blauen Blüten meist zwischen Mai und September. Die schmalen nadelförmigen Blätter werden als pikantes Würzkraut frisch oder getrocknet in der mediterranen Küche genutzt. Als Heilkraut wirkt Rosmarin blutdruckstimulierend, vitalisierend und durchblutungsfördernd. Die ätherischen Öle enthalten Cineol, Kampfer, Pinene, Bitterstoffe und Gerbstoffe wie die Rosmarinsäure (antiviral, antibakteriell, antiinflammatorisch). Sie unterstützen die Verdauung und beugen Blähungen und Völlegefühl vor.

Anwendung: Frische Blätter oder gut verdünnte, ölige Auszüge können in Bäder gegeben werden, die bei Muskelverspannungen, Muskelkater oder Rückenschmerzen helfen und wieder munter machen. Nicht zu hoch dosieren!

 

Heilkräuter für den Hausgebrauch: Salbei (Salvia officinalis)

Salbei Salvia officinalis

Salbei ist ein Halbstrauch mit graugrünen ovalen, rauen und leicht behaarten Blättern. Sie enthalten ätherische Öle, die sich auch zum Würzen eignen. Bereits bei den Römern war Salbei als Heilmittel geschätzt. Er wirkt entzündungshemmend, blutreinigend, schmerzstillend, krampflösend, außerdem schweißhemmend und blutdrucksenkend.

Anwendung: Ein Tee aus Salbeiblättern lindert Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden, eine Gurgellösung hilft bei Halsschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut. Bei Rückenschmerzen kann ein wärmender Salbeiabsud auf einem Handtuch wohltuend wirken.

 

Heilkräuter für den Hausgebrauch: Echter Thymian (Thymus vulgaris)

Echter Thymian Thymus vulgaris

Thymian ist ein anspruchsloser, jedoch sehr aromatischer Halbstrauch mit vielen kleinen elliptischen Blättern und rosa Blüten. Er wächst in Polstern auf vollsonnigen kargen bis felsigen Hängen oder auf Magerwiesen und blüht von Mai bis Oktober. Echter Thymian hat seinen Weg aus den Gärten zurück in die Natur gefunden, wo er inzwischen wieder anzutreffen ist. Sein „wilder“ Verwandter ist der Quendel. Verwendet wird das pikant-pfeffrige Kraut in der mediterranen Küche. Thymianblätter liefern ätherische Öle, die Thymol (schmerzstillend, muskelentspannend, antibakteriell) und Carvacrol (entzündungshemmend) sowie Gerbstoffe und Flavonoide enthalten.

Anwendung: Zur Gewinnung von Ölen, Säften, Tees, Sirups oder Tropfen wird das gesamte Kraut ohne Wurzel genutzt. Thymian findet sich als Zugabe in Hustentees und Erkältungsbädern oder als Extrakt in Tropfen. Die ätherischen Öle wirken auf die Atemwege und sollen hartnäckig festsitzenden Schleim lösen. Bei einer Bronchitis oder einem Katarrh kann Thymian lockernd wirken, bei Zahnschmerzen und Hautunreinheiten antibakteriell. Thymian gilt auch als „Magenkraut“ und wird als Teeaufguss bei Sodbrennen, Blähungen und Durchfall getrunken.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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