Gesundheit

Blutwerte endlich verstehen

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Sind im kleinen Blutbild Auffälligkeiten zu sehen, ordnet der Arzt häufig das umfangreichere große Blutbild an. Es kann ihm weitere Hinweise auf die zugrundeliegende Erkrankung geben.

Was ist ein großes Blutbild?

Beim großen Blutbild werden zusätzlich zu den Werten aus dem kleinen Blutbild die verschiedenen Typen der weißen Blutkörperchen untersucht und gezählt. Diese erweiterte Untersuchung nennt sich Differentialblutbild. Das große Blutbild besteht also aus dem kleinen Blutbild plus Differentialblutbild.

Was genau wird untersucht?

Neben den Werten des kleinen Blutbildes (Erklärungen zu den Werten finden Sie hier à Link auf Teil 2, Punkt 2) werden im großen Blutbild die einzelnen Varianten der weißen Blutkörperchen bestimmt. Die Namen dieser verschiedenen Typen haben es in sich – erfahren Sie hier, was hinter den komplizierten Begriffen steckt:

Lymphozyten

Sie sind die kleinsten Vertreter der weißen Blutkörperchen, aber ganz und gar nicht unwichtig: Bei der Abwehr von Krankheiten und Fremdstoffen spielen sie eine extrem wichtige Rolle. Sind die Werte erhöht, könnte das unter anderem auf akute oder chronische virale Infektionen hindeuten, aber auch auf ein paar ausgewählte nicht-virale Infektionen wie Karzinome oder Morbus Hodgkin. Sind die Werte zu niedrig, könnte das beispielsweise ein Zeichen für eine HIV-Infektion sein, aber auch einfach für eine überstandene Influenza. Hier gilt, sich bitte nicht verrückt zu machen. Einzelne Laborwerte müssen im Zusammenhang mit dem gesamten Blutbild, mit der Verdachtsdiagnose des Arztes und den Symptomen gesehen werden. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt.

Granulozyten

Von ihnen gibt es jede Menge! Sie bilden zahlenmäßig die stärkste Untergruppe der weißen Blutkörperchen und wehren Infektionen ab, hinter denen Bakterien, Parasiten oder Pilze stecken. Im großen Blutbild werden die Granulozyten in der Regel nochmal in vier Untergruppen dargestellt:

  • Stabkernige neutrophile Granulozyten (häufige Abkürzung: STAB)
    Sie sind quasi die Teenager unter den Granulozyten. Diese junge  Entwicklungsstufe hat einen stabförmigen Kern und kommt relativ selten im Blut vor. Ist ihre Zahl erhöht, könnte das unter anderem auf akute Infektionen und Entzündungsprozesse hindeuten.
  • Segmentkernige neutrophile Granulozyten (häufige Abkürzung: SEG)
    Sie sind die Erwachsenenversion der Granulozyten: Haben wir zu viele von diesen reifen und voll ausgebildeten Granulozyten im Blut, kann dies auf Entzündungen, Infektionen oder Stress hindeuten. Zu wenige können unter anderem für eine Sepsis (Blutvergiftung) oder eine Virusinfektion sprechen.
  • Eosinophile Granulozyten (häufige Abkürzung: EOS)
    Sie haben vor allem den Auftrag, Parasiten und Würmer zu bekämpfen. Sind unsere Werte erhöht, könnten wir an einer Allergie oder einem Parasitenbefall leiden. Sind die Werte zu niedrig, deutet das auf akute Infekte oder Stress hin.
  • Basophile Granulozyten (häufige Abkürzung: BASO)
    Sie sind für die Steuerung allergischer Reaktionen und für die Abwehr von Parasiten zuständig. Sind die Werte erhöht, könnten unter anderem allergische Reaktionen, bestimmte Leukämien oder eine Polyzythämie (gesteigerte Blutneubildung) vorliegen. Zu niedrige Werte können in Zusammenhang mit einer Überfunktion der Schilddrüse, einer Strahlentherapie oder Stress stehen.

Monozyten

Sie leben nur drei Tage und wandeln sich danach in sogenannte „Fresszellen“ um. Sie fressen körperliche Eindringlinge quasi auf und sind damit sehr wichtig für die Abwehr von Krankheiten. Haben wir zu viele Vielfraße im Blut, deutet das in den meisten Fällen auf bestimmte Infektionen hin. Zu wenige Monozyten im Blut gibt es nur sehr selten.

Welche Werte sind normal?

Auch die Werte des großen Blutbildes lassen sich an ihren Normbereichen messen, die im Befund immer mit angegeben werden. Genau wie für das kleine Blutbild, gilt aber auch hier: Richtig interpretieren kann die Werte nur der Arzt. Es kann zum Beispiel sein, dass einige Ihrer Werte nicht im Normbereich liegen, Sie aber dennoch kerngesund sind – und andersherum. Also nicht verrücktmachen, sondern auf das Arztgespräch vertrauen.

Für einen kleinen Einblick in die Welt des großen Blutbildes finden Sie hier die ungefähren Normwerte des Differentialblutbildes (Werte variieren von Labor zu Labor):

Lymphozyten: 20 bis 50 Prozent der Leukozyten

Granulozyten

  • Stabkernige neutrophile Granulozyten: 3 bis 4 Prozent der Leukozyten
  • Segmentkernige neutrophile Granulozyten: 50 bis 70 Prozent der Leukozyten
  • Eosinophile Granulozyten: 2 bis 4 Prozent der Leukozyten
  • Basophile Granulozyten: weniger als 0,5 Prozent der Leukozyten

Monozyten: ca. 4 Prozent der Leukozyten

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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