Startseite Gesundheit Gegen die Einsamkeit – Melanie (22) berichtet
Einsames Bad im See bei Sonnenuntergang
Gesundheit

„Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle ernst nehmen
– sonst geht es nach hinten los“

Die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen ist für Melanie einer der wichtigsten Punkte im achtsamen Umgang mit sich selbst. Seit Beginn der Corona-Pandemie nimmt sich die 22-jährige Studentin deshalb noch mehr Zeit für eine intensive und reflexive Auseinandersetzung mit den eigenen Empfindungen. Das gelingt ihr besonders unter freiem Himmel gut, weshalb sie im Laufe des vergangenen Jahres auch weg aus der Stadt und weiter aufs Land gezogen ist. Hier lebt sie in einer Wohngemeinschaft, in der sich alle gegenseitig viel Raum für Rückzug lassen und dennoch stets für Gespräche offen sind. Für Melanie ist das ein optimales Arrangement: Zum einen, weil es ihr den Druck nimmt, sich stets sozial einbringen zu müssen.

Katze vor eigenem kleinen, grünen Zelt

Auf der anderen Seite bedeutet es aber auch eine Sicherheit für sie, dass sie nicht alleine sein muss, wenn sie das nicht will. Außerdem kann sie so schneller und öfter Zeit in der Natur verbringen. Lange Spaziergänge und Fahrradfahren gehören da genauso zur täglichen Routine wie regelmäßige Yogaeinheiten und das Klavierspielen.

Den negativen Kreislauf des Vergleichens beenden

Auch wenn Melanie eine stabile Struktur wichtig ist, bleibt sie dennoch flexibel in der individuellen Ausgestaltung ihres Tages und achtet, neben der Verrichtung der täglichen Pflichten, auch darauf, genügend Raum für die Bedürfnisse des Momentes zu schaffen. Neben dem Verständnis für andere Personen, findet Melanie, ist es vor allem auch wichtig, verständnisvoll und wohlwollend auf sich selbst zu blicken: „Früher hatte ich noch deutlich mehr unrealistische Ansprüche an mich, die mir mein Leben eher erschwert als erleichtert haben. […] Vor einem Jahr war ich auch eine Meisterin im Vergleichen. Natürlich schnitt ich darin immer schlechter ab und war dementsprechend auch danach kein Stück zufriedener. […] Es prasseln jeden Tag so viele Eindrücke auf jeden ein, da kann man ja quasi nicht anders als sich zu vergleichen.

Mann hält gelben Plastiklöffel, auf dem ein Gesicht aufgemalt ist, vor orangefarbenem Plastikteller mit Essen.

Praktischerweise sehe ich in meinem kleinen Dorf und auch durch die Online-Lehre, bei weitem nicht mehr so viele Menschen, mit denen ich in diesen Kreislauf geraten könnte. Das ist ein guter Ausgangspunkt, um auch für später in meinem Kopf zu verankern, dass ich das gar nicht brauche. Es ist oft hilfreich, mich mit meinem früheren Selbst zu vergleichen, aber auch da muss ich immer wieder darauf achten, dass ich das Ganze fair mache.“

Durch Corona auch zu neuem Selbstbewusstsein gefunden

Vor allem aber ist Melanie durch die Entwicklung der vergangenen Monate bewusst geworden, wie viele ihrer persönlichen Eigenschaften, auf die sie früher kritisch geblickt hatte, ihr nun bei der Bewältigung der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sogar sehr hilfreich sind: „Ich hatte ein ganz klares Bild vor Augen, wie ich zu sein habe, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Meine Wesensarten gehörten nicht dazu. Durch den Lockdown habe ich gemerkt, dass ich mit meinen persönlichen Eigenarten und Fähigkeiten aber recht gut klarkomme und sie auch okay für mich sind. Und diese Erkenntnis nehme ich (hoffentlich) auch für die Zeit nach Corona mit.“

Fahrradgruppe mit MUT-Tour-Banner

Über diese ganz neue Sorgfalt mit sich selbst, beschreibt Melanie, konnten sie für sich auch ganz neue Impulse herausarbeiten. Dies gilt zuvorderst auch dafür, wie sie sich selbst im Kontext ihrer Umwelt begreifen bzw. verorten möchte: „Ich habe viele Ideen und Perspektiven entdeckt, in die ich auch gerne Zeit investiere. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was in meinem Leben welchen Stellenwert einnehmen soll. Und das nur unter dem Gesichtspunkt, wie es sich für mich gut anfühlt und nicht unter dem Gesichtspunkt, was ich meine, was die Gesellschaft dazu sagt.“
Auch wenn die Herausforderungen der vergangenen Monate auch für Melanie nicht einfach waren, so konnte sie durch die intensive und komprimierte Auseinandersetzung mit der eigenen Person doch eine neue Form des Selbstbewusstseins entwickeln und selbstsicherer auf die eigenen Bedürfnisse vertrauen: „Es braucht manchmal Mut, einen anderen Weg zu gehen, aber im Endeffekt fühlt es sich für mich richtig an. Ich habe wiederentdeckt, welche Aktivitäten mir Energie geben, mich glücklich machen. Diese erlaube ich mir nun regelmäßig auszuüben.“

Unterwegs mit dem Rad auf einer Holzbrücke; das Ufer des Flusses säumen viele Bäume. Frontalansicht.

Redaktion

BARMER eMagazin

Bildnachweis

  • Gegen die Einsamkeit – © alle Fotos: Sebastian Burger, Initiator und Mitbegründer der MUT-TOUR

Zusatzinhalte: