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Fastenzeit

Fasten, das ist für viele nach wie vor nur ein anderes Wort für Diät. Dabei geht es in der Fastenzeit (2018 dauert sie vom 14. Februar bis zum 31. März) um weit mehr als nur um das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel. Deshalb stellen wir Ihnen hier einige Aspekte rund um das Thema Fasten vor:

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 Der Aschermittwoch ist nicht nur das Ende der Karnevalszeit, er läutet auch die 40-tägige Fastenzeit der Christen ein. Längst geht es dabei nicht mehr ausschließlich um den Verzicht bestimmter Lebensmittel und Alkohol. Heute nutzen viele Menschen die sieben Wochen bis Ostern, um sich eine Auszeit von anderen ungesunden Gewohnheiten zu nehmen. „Zu viel Fernsehen, zu viel Computer- und Smartphone-Nutzung, zu wenig Bewegung, zu viele Süßigkeiten, zu wenig Schlaf – in der Regel wissen wir sehr genau, was uns in unserem Leben nicht guttut. Der Alltagstrott lässt uns dennoch daran festhalten. Die Fastenzeit ist, auch für nicht-religiöse Menschen, eine gute Gelegenheit mal auszuprobieren, wie man bewusst die gewohnten Verhaltensmuster ändert, um später eine neu gewonnene Zufriedenheit zu erreichen“, erklärt Andra Jakob-Pannier, Psychologin bei der BARMER.

Raus aus der Komfortzone
Ob man während der 40 Tage nun auf das Auto, die Zigaretten, das Glas Wein am Abend, Fleisch, das Smartphone oder den Fernseher verzichtet – das Weglassen bedeutet zunächst einmal: Schluss mit der Bequemlichkeit und raus aus der Komfortzone. Je nach Gewohnheit können dabei anfangs tatsächlich so etwas wie Entzugserscheinungen auftreten. „Wer seinen Medienkonsum von hundert auf null drosselt, wird in den ersten Tagen vielleicht eine innere Unruhe oder auch Langeweile spüren. Doch schon bald erkennt derjenige, wie viel Zeit er plötzlich für Dinge hat, die sonst immer zu kurz kommen“, so Jakob-Pannier.

Gestärktes Selbstbewusstsein
Nicht nur die neu gewonnenen Freiheiten lösen ein gutes Gefühl beim Fastenden aus. Auch die Erkenntnis, dass er oder sie wieder mehr Kontrolle über das eigene Leben gewonnen hat, stärkt das Selbstbewusstsein, auch für die Zeit nach dem Fastenende. „Wer einmal erfahren hat, wozu er imstande ist, traut sich auch auf anderen Gebieten mehr zu“, weiß die Expertin.

Tipp
In Bezug auf die Ernährung ist Fasten ein sehr sensibles Thema. Zwar spricht nichts gegen den Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol. Strenges Fasten, bei dem beispielsweise ganz auf feste Nahrung verzichtet wird, ist dagegen aus medizinischer Sicht nicht für jeden geeignet. Ein solches Fastenprogramm sollte deshalb nur unter ärztlicher Begleitung durchgeführt werden.

Fasten – Millionen Menschen weltweit tun es, die einen aus religiösen, die anderen aus gesundheitlichen Gründen. Grundsätzlich ist Fasten tatsächlich gut geeignet, um den eigenen Lebensstil zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern. Allerdings bedeutet eine Fastenkur auch eine große Umstellung, die nicht jeder Mensch gleich gut verkraftet, denn der Körper muss sich an die verringerte Kalorienzahl erst gewöhnen. Daher sollte immer der Arzt zu Rate gezogen werden. Und wer nur fasten möchte, um Gewicht zu verlieren, kann nicht auf dauerhaften Erfolg hoffen. „Nur wenn gleichzeitig auch die Ernährung umgestellt und mehr Bewegung Einzug in den Alltag hält, kann man dauerhaft abnehmen. Ansonsten kommt der gefürchtete Jojo-Effekt“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER. Wichtig ist immer: viel trinken!

Welche Fastenform passt zu mir?
Das milde Fasten beschränkt sich beim Essen und Trinken während eines bestimmten Zeitraums auf das Notwendige, verzichtet wird „nur“ auf Genussmittel wie Süßigkeiten, koffeinhaltige Getränke, Alkohol oder auch Fleisch. Diese Form ist daher gut für Einsteiger geeignet.

Beim modifizierten Fasten werden neben anderen Flüssigkeiten auch Shakes oder Suppen mit hohem Eiweißgehalt und geringem Gehalt anderer Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen. Ziel ist es, den Eiweißverlust des Körpers in Grenzen zu halten und das Gehirn mit den erforderlichen Kohlenhydraten.zu versorgen. Gesunde können für kurze Zeit, zum Beispiel eine Woche, auf diese Weise fasten.

Die radikalste Methode des Fastens ist das strenge Fasten, auch Nulldiät genannt. Dabei wird keinerlei feste Nahrung aufgenommen, sondern nur energiefreie Getränke wie Wasser oder Tee. „Das strenge Fasten ist nicht für jeden geeignet. Da keine Energie aufgenommen wird, verliert der Körper schnell an Wasser, Muskeln und Fettgewebe“, erklärt Marschall. „Dabei können erhebliche Gesundheitsrisiken entstehen. Hierzu zählen Gichtanfälle oder das Entstehen von Nieren- und Gallensteinen. Auch Risiken für das Herz-Kreislauf-System bestehen. Daher sollte das strenge Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht, beispielsweise in einer Fastenklinik, durchgeführt werden.“

Für Menschen mit Stoffwechsel- oder entzündlichen Gelenkerkrankungen kann Heilfasten dazu beitragen, Beschwerden zu lindern. Nach Entlastungstagen mit regelmäßigen Darmentleerungen schließt sich eine zwei bis vierwöchige Fastenzeit mit Mineralwasser, Tees und Brühe an. Danach kommt der langsame Wiedereinstieg in das normale Essen.

Egal, welche Methode bevorzugt wird – viele Menschen berichten von Hochgefühlen beim Fasten, von Zufriedenheit und neuer Energie. „Wissenschaftlich belegt ist das kaum. Trotzdem kann Fasten eine bewusste Auszeit aus dem stressigen Alltag sein und einen Impuls für eine gesunde Lebensweise geben“, so Marschall. „Vielen Menschen hilft es, den Fokus bewusst auf die Gesundheit zu legen und die eigene Lebensweise zu überdenken.“

Fasten ist nicht für jeden sinnvoll
Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten mit dem Arzt Rücksprache halten, weil möglicherweise die Dosierung angepasst werden muss. Gleiches gilt für chronisch Kranke: Bei Gicht- oder Rheumapatienten muss der Arzt entscheiden, ob gefastet werden kann, denn der Verzicht von Speisen kann zwar entzündungshemmend wirken, der Abbau von Muskelmasse aber auch die Symptome der Erkrankungen verschlechtern. Auch für Diabetiker ist eine Rücksprache mit dem Ernährungsberater oder Arzt sinnvoll.

Zu viel, zu oft, zu schnell, zu einseitig, zu fettig, zu salzig, zu süß – in punkto Essgewohnheiten hat fast jeder ein Laster. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, sich davon zu verabschieden und bewusst auf Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol, Zigaretten oder andere Lebens- und Genussmittel zu verzichten. Doch was früher eine Zeit der Buße, seelischen und körperlichen Reinigung war, wird heute oft leichtfertig als Methode zum Abnehmen definiert. Wer das Fasten allerdings als Diät nutzen will, wird langfristig enttäuscht: Erst hungern, dann wieder essen wie zuvor – da ist der Jojo-Effekt programmiert. Auch wenn sich Fasten nicht zum dauerhaften Abnehmen eignet, ist die Fastenzeit ideal, um die eigene Ernährungsweise kritisch unter die Lupe zu nehmen und an der einen oder anderen Stelle zu korrigieren. Dabei kann Fasten als Einstieg in eine bewusste Ernährung dienen.

Neue Geschmackserlebnisse
Während der Fastentage spielt vor allem der psychologische Effekt eine wichtige Rolle. Wenn jemand seinen Hunger und damit seinen Willen besiegt, stimmt ihn das positiv. Genauso wichtig wie das Fasten selbst ist allerdings auch die Zeit danach. Hier können nun die Weichen für eine gesündere Lebensweise gestellt werden. So berichten manche Fastende davon, dass sie nach dem Fasten einige Geschmacksrichtungen viel intensiver empfinden und beispielsweise weniger Salz oder Zucker verwenden. Ein Effekt, der sich durch den bewussten Genuss der einzelnen Mahlzeiten noch verstärken lässt. Wenn wir uns genügend Zeit für unser Essen nehmen und uns auf jeden Bissen konzentrieren, werden wir ein ganz anderes Geschmackserlebnis haben, als wenn wir das Essen einfach nur schnell herunterschlucken, weil wir beispielsweise nebenbei in den Fernseher schauen oder Zeitung lesen.

Wer dann noch zusätzlich nach dem Fasten zu qualitativ hochwertigen Lebensmitteln greift und seine Mahlzeiten möglichst frisch zubereitet, hat einen wichtigen Schritt in Richtung gesündere Lebensweise getan.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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