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Kinder, Corona und die dritte Welle

Die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin belegen es: In der dritten Welle steckten sich Kinder sehr viel häufiger als früher mit dem SARS-CoV-2-Virus an bzw. mit der wesentlich infektiöseren Mutante B 1.1.7 (neu: Corona-Variante Alpha), die in Deutschland derzeit vorherrschend ist und das ursprüngliche Virus nahezu verdrängt hat. Die Corona-Inzidenzrate – also die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche – war bei Kids sogar deutlich höher als bei Erwachsenen. Laut RKI wurden demnach die höchsten Inzidenzwerte in der Gruppe der 5- bis 14-Jährigen gemessen, dicht gefolgt von den 15- bis 34-Jährigen.

Corona: Oft atypischer, symptomfreier Verlauf bei Kindern

Die Gründe für den sprunghaften Anstieg der Infektionsraten bei Kindern sehen Forscher zum einen vor allem auch darin, dass inzwischen deutlich mehr getestet wird als dies noch im ersten Jahr der Pandemie der Fall war. Bei den vorausgegangenen Wellen wurden an COVID-19 erkrankte Kinder vermutlich seltener entdeckt, da sie meist einen atypischen und symptomfreien Verlauf haben. So zeigte eine Untersuchung anhand von Antikörpern im Oktober 2020, dass in Bayern zwischen Januar und Juli desselben Jahres wahrscheinlich sechsmal mehr Kinder mit SARS-CoV-2 infiziert waren als gemeldet. Denn knapp die Hälfte (47 Prozent) der Kinder mit Antikörpern hatte zuvor keine Symptome gezeigt. 2021 werden nun Lockerungen im Schulablauf durch eine breitere Teststrategie begleitet. Mit der Präsenzbetreuung nimmt aber zum anderen die Mobilität  wieder zu und damit die Anzahl der sozialen Kontakte. Das Infektionsrisiko steigt, erst recht bei der derzeit dominierenden und ansteckenderen Variante B1.1.7. Darüber hinaus macht sich mehr und mehr auch ein Impfeffekt bemerkbar.
„Das bedeutet, dass sich das Infektionsgeschehen zunehmend in jüngere Gesellschaftsschichten verlagert, da die über 80-Jährigen und mehr und mehr auch die Über-70- sowie die Über-60-Jährigen vollständig geimpft sind“, erklärt BARMER-Expertin und Apothekerin Heidi Günther.

Heidi Günther, Apothekerin bei der BARMER

„Mehr und mehr macht sich 2021 auch ein Impfeffekt bemerkbar. Dabei kann man eine Verschiebung des Infektionsgeschehens in jüngere Gesellschaftsschichten feststellen.“

Heidi Günther, Apothekerin und BARMER-Expertin für Impfen

Auf die rasante Entwicklung hatten Bund und Länder  reagiert und am 24. April eine bundeseinheitliche Notbremse beschlossen, die nun mit sinkenden Inzidenzahlen Ende Juno wieder auslaufen soll. Unter anderem mussten während der dritten Welle bei einer Inzidenz von über 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen Schulen wieder in den Distanzunterricht wechseln. Kitas blieben für den Regelbetrieb geschlossen. Denn Corona machte auch vor geöffneten Schulen und Kitas nicht Halt. Nach der dritten Welle, bei einer Inzidenz von weit unter 50, waren es die Schulen und Kindergärten, die als erstes wieder öffneten.

Kinder sind keine Virenschleudern

Nach wie vor geht die Wissenschaft davon aus, dass Kinder ähnlich ansteckend sind wie Erwachsene. Wurden sie zu Anfang der Pandemie manchmal noch ein wenig bösartig als SARS-CoV-2-Schleudern bezeichnet, gilt diese Behauptung inzwischen als widerlegt. Eine Studie des Landesuntersuchungsamts Rheinland-Pfalz ergab zum Beispiel im März 2021, dass in Kindergärten und Schulen ein vergleichsweise niedriges Infektionsrisiko von nur 1,3 Prozent herrscht. Diese Zahl könnte im Prinzip sogar noch niedriger sein, da man in der Studie nicht zwischen einer Übertragung in Schule oder Kita und in der Freizeit unterscheiden konnte. Auch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) postuliert, dass Infektionen bei Kindern dem Infektionsgeschehen bei Erwachsenen folgen – und nicht umgekehrt.

Verschiedene bunte Illustrationen des neuen Coronavirus

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Kinder?

Dass Kinder schwer an COVID-19 erkranken, ist laut DPGI selten – noch seltener sind schwerste Verläufe und Todesfälle. Die Erkrankung verläuft bei den Jüngsten in der Gesellschaft meist mild und sie müssen nur selten stationär aufgenommen werden. Häufigste Begleiterscheinungen sind trockener Husten, Fieber und – im Gegensatz zu Erwachsenen – auch Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und Appetitlosigkeit. Auch Verfärbungen an Zehen oder Fingern, die an Frostbeulen erinnern, können auftreten. Extrem selten kann es in 1:10000 Fällen zum „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ – kurz PIMS – kommen mit Symptomen wie zum Beispiel Fieber, Ausschlag, Magen-Darm-Beschwerden, Herzschwäche und Atemnot. PIMS ist vermutlich eine Überreaktion des kindlichen Immunsystems auf die Viren und macht sich oft erst einige Wochen nach der Infektion bemerkbar, auch nach einem milden, symptomfreien Verlauf. Es trifft vor allem Kinder ab etwa sieben Jahren, die in der Regel stationär behandelt werden müssen, oft auch auf der Intensivstation. Dennoch ist PIMS meist gut behandelbar, kann aber zu Post-COVID-Erscheinungen wie Müdigkeit und verringerter Leistungsfähigkeit führen. Bis Ende Februar 2021 litten laut Fachgesellschaft DPGI 215 Kinder und Jugendliche in Deutschland unter PIMS. Daran gestorben war bis dato kein Kind. Ob nun die neue Virusvariante B.1.1.7 für Kinder gefährlicher ist, lässt sich noch nicht sagen. Bisher deutet aber nichts darauf hin, dass diese Mutation bei Kindern zu schweren Verläufen oder PIMS führt.

Können Kinder gegen Corona geimpft werden?

Die COVID-19-Impfstoffe waren bis vor kurzem nur für Erwachsene zugelassen, da es noch zu wenige Studienergebnisse bei Kindern gab. Ende Mai hat die Firma Biontec jedoch von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA für das mRNA-Vakzine Comirnaty  die Zulassung für Kinder von 12 bis 15 Jahren erhalten. Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut in Berlin rechneten frühestens Ende 2021, eher  Anfang 2022 damit und gaben auch noch keine generelle Impfempfehlung ab

Nähere Information hierzu gibt es auch im Netz auf der BARMER-Homepage. Details verrät zum Beispiel die Ratgeberseite Impfung gegen das Coronavirus. Ebenso können Eltern auf barmer.de erfahren, wie sie mit Kindern die Coronakrise meistern oder erhalten interessante Tipps im Corona-Guide für den Alltag in der Familie.

Testen Sie nun in Teil 2 ihr Wissen zum Thema Corona und Impfung!

Michaela Del Savio

Redakteurin, BARMER | eMagazin

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