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Blutdruck und Corona

Viele Menschen mit Bluthochdruck haben in Corona-Zeiten Angst vor einem komplizierten Krankheitsverlauf bei einer COVID-19-Infektion. Gehören sie tatsächlich zur Risikogruppe und was müssen sie beachten? Antworten gibt Professor Dr. med. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

 

Portrait_Thomas Voigtländer

Herr Professor Voigtländer, zählen Menschen mit Bluthochdruck zur COVID-19-Risikogruppe?

Am Anfang der Pandemie gab es tatsächlich die Vermutung, dass Bluthochdruck ein Risikofaktor für einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf der Krankheit ist. Doch nach und nach zeigt sich, dass nicht der hohe Blutdruck der eigentliche Risikofaktor ist, sondern das Alter der Menschen. Ab 55 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Verlauf, ab 60 Jahren gehört man definitiv zur Risikogruppe – und zwar unabhängig von den Blutdruckwerten. Selbstverständlich führt der nicht gut behandelte Bluthochdruck zu vielen Folgeerkrankungen wie beispielsweise Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenschwäche. Diese Erkrankungen wiederum sind dann zusätzlich zu dem Alter ein Risiko, im Rahmen einer Covid-Erkrankung Komplikationen zu erleiden.

Es gibt also Entwarnung für Patienten mit einem gut eingestellten Bluthochdruck?

So ganz genau ist dies alles noch nicht erforscht. Da Blutdruckpatienten größtenteils älter sind, gehören sie allein deshalb zur Risikogruppe. Sie sollten also alle Vorsichtsmaßnahmen beachten, um eine Ansteckung zu verhindern. Außerdem gibt es einen weiteren Aspekt: Bei Bluthochdruckpatienten ist häufig das Endothel verändert. Das ist eine dünne Schicht von Zellen, die das Innere der Blutgefäße auskleidet. Bluthochdruck sorgt dafür, dass diese Schicht dicker wird und sich Ablagerungen bilden. Erste Daten geben Hinweise darauf, dass das Coronavirus auch zu Reaktionen am Endothel führt. Inwieweit diese verstärkt sind, wenn eine Endothelschädigung durch einen Bluthochdruck vorliegt, ist bisher noch eine Hypothese. Eine Reihe wissenschaftlicher Projekte – teilweise auch mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung – beschäftigen sich mit diesen Fragen.

Vielen Menschen sorgen sich, dass Blutdrucksenker wie Sartane oder ACE-Hemmer den Verlauf einer Corona-Infektion verschlimmern? Was weiß man darüber?

Für Patienten mit Bluthochdruck gibt es eine beruhigende Nachricht: Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass die Einnahme von ACE-Hemmern oder Sartanen den Verlauf einer Covid -Erkrankung nicht verschlechtert. Im Gegenteil, das Weglassen dieser Medikamente kann zu einer sehr gefährlichen Verschlechterung der Hochdruckerkrankung führen.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation

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  • 367084765 / Regina / stock.adobe.com
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