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Frau mit rosa Pullover misst am Tisch ihren Blutdruck mit einem Oberarmmessgerät
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Blutdruck messen – muss das sein?

In der Arztpraxis, Apotheke oder Zuhause – zum Blutdruckmessen gibt es viele Gelegenheiten. Aber wer macht das eigentlich wirklich? Und ist das überhaupt notwendig? Darüber haben wir mit Professor Dr. med. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, gesprochen.

 

Portrait_Thomas Voigtländer

Herr Professor Voigtländer, sollten wir alle unseren Blutdruck im Blick haben? Auch wenn wir uns rundum gesund fühlen?

Wer keine Neigung zu hohem Blutdruck hat, muss sich nicht allzu sehr mit diesem Thema beschäftigen. Dann reicht es aus, den Blutdruck einmal im Jahr beim Hausarzt kontrollieren zu lassen. Wenn sich die Blutdruckwerte jedoch an der Grenze befinden – der obere Wert also beispielsweise bei 140 mmHG liegt und der untere bei 90 mmHG – dann sollte man regelmäßig messen.

 

Was heißt regelmäßig?

Bei Bluthochdruckpatienten, die gut mit Medikamenten eingestellt sind, ist es ausreichend, den Blutdruck nur alle paar Tage zu messen. So können sie kontrollieren, ob sie sich weiterhin im Normalbereich befinden. Wenn die Medikamente aber gerade erst eingestellt werden, dann sollte man zwei Mal am Tag messen, um die Werte mit dem Hausarzt besprechen zu können. Es kann zum Beispiel sein, dass dann noch eine zusätzliche Medikation oder eine Anpassung folgen muss. Eine weitere Möglichkeit ist die 24-Stunden-Blutdruckmessung. Mit einer solchen Messung lässt sich der Blutdruck über einen gesamten Tag beobachten. Patienten sollten dabei darauf achten, ihren Tag möglichst normal zu gestalten und sich nicht extra zu schonen, da sonst falsche niedrige Werte aufgezeichnet werden.

Zu welchen Tageszeiten sollte man den Blutdruck messen?

Wer seinen Blutdruck beispielsweise in einer Diagnosephase oder zur Medikamenteneinstellung im Blick behalten muss, sollte die Messungen am besten weit über den Tag verteilen. Es bietet sich also an, morgens und abends zu messen – am besten immer zur gleichen Uhrzeit. Die Morgenmessung ist wichtig, weil der Blutdruck insbesondere nach dem Schlafen höher ist. In den Morgenstunden treten Herzinfarkte und Schlaganfälle gehäuft auf. Nachts ist in der Regel keine Messung nötig. Dann sinkt der Blutdruck normalerweise auf seine Tiefstwerte ab.

Oberarmblutdruckmessgerät mit eingerollter Manschette

Welches Messgerät ist das richtige?

Wer zu hohem Blutdruck neigt, sollte seine Werte regelmäßig im Blick behalten. Denn Bluthochdruck hat eine Tücke: Häufig spüren wir ihn nicht – und dennoch kann er großen Schaden anrichten. Herzinfarkte und Schlaganfälle können die Folge sein. Aber wie misst man seinen Blutdruck eigentlich richtig? Und welche Geräte werden empfohlen?

Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie das Blutdruckmessgerät, das zu Ihnen passt:

Das richtige Modell wählen

Ein Blutdruckmessgerät ermittelt Ihren Blutdruck vollautomatisch. Für den Hausgebrauch gibt es verschiedene Messmodelle:

  • Oberarm-Messgerät:

Das ist die klassische Variante, bei der eine Manschette über der Ellenbeuge platziert wird. Die Vorteile: Diese Messgeräte sind in der Regel kaum störanfällig, lassen sich unkompliziert bedienen und haben ein großes Display.

  • Handgelenk-Messgerät:

Hier wird eine Manschette um das Handgelenk gebunden, die direkt auf der Pulsader platziert wird. Die Messung findet an der Handgelenkinnenseite statt. Die Vorteile: Handgelenk-Messgeräte haben ein geringes Gewicht, sind flexibel transportierbar und damit ideal, um den Blutdruck allein und unterwegs zu messen.

Blutdruckmessgerät noch im Geschäft ausprobieren

Irgendein Messgerät im Internet bestellen? Besser nicht! Um herauszufinden, welche Variante am besten zu Ihnen passt, sollten Sie sich beraten lassen – am besten in einer Apotheke oder einem Sanitätsgeschäft. Hier können Sie die Geräte in der Regel auch ausprobieren und Preise vergleichen. Kleiner Kauftipp: Wenn Sie überprüfen möchten, wie genau ein Gerät misst, können Sie eine manuelle Vergleichsmessung anstellen. Dafür sollten Sie die automatische Messung anstellen und nach maximal 60 Sekunden eine Vergleichsmessung durchführen. Dieses Vorgehen sollten Sie drei Mal hintereinander am selben Arm wiederholen. Die Abweichungen der Ergebnisse dürfen im Schnitt nicht mehr als plus/minus 10 mmHG betragen.

Beim Kauf auf Qualität achten

Alle Blutdruckmessgeräte, die Sie in Deutschland kaufen können, unterliegen dem sogenannten Medizinproduktegesetz. Eine hinreichende Messgenauigkeit gewährleistet das aber nicht. Ein sehr guter Nachweis für die Qualität eines Geräts ist das Prüfsiegel für die Messgenauigkeit der Deutschen Hochdruckliga. Sie überprüft auf Antrag der Gerätehersteller regelmäßig Blutdruckmessgeräte. Eine Auflistung der getesteten und empfohlenen Geräte finden Sie hier.

Nahaufnahme auf ein Display eines Blutdruckmessgerätes ,ot den Werten 145 zu 90

Blutdruck messen – aber wie?

Eine Anleitung

Haben Sie schon einmal von der sogenannten Weißkittelhypertonie gehört? Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass viele Menschen beim Blutdruckmessen in der Arztpraxis vor Nervosität und Aufregung einen erhöhten Blutdruck haben. Man schätzt, dass ein Drittel der Bluthochdruckpatienten aus diesem Grund gar keinen echten Bluthochdruck haben. Die Gefahr dieses Phänomens liegt auf der Hand: Ärzte verschreiben häufig blutdrucksenkende Mittel, obwohl die Werte außerhalb der Praxis im Normalbereich liegen. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, dass Patienten ihren Blutdruck zu Hause kontrollieren. Denn unabhängig von der Weißkittelhypertonie ist die Messung in der Praxis immer nur eine Momentaufnahme.

Mit dieser Anleitung haben sie Ihre Blutdruckwerte auch zu Hause korrekt im Blick:

  1. Das Messgerät muss gut sitzen
    Ob Oberarm- oder Handgelenksmessgerät– es ist wichtig, dass die luftleere Manschette richtig fest anliegt. Denn allein durch die Verwendung einer falschen Manschettengröße kann sich der tatsächliche Wert vom gemessenen Blutdruck um 10 mmHg unterscheiden. Eine Oberarmmanschette sollte maximal zwei Drittel des Oberarms abdecken. Es sollten 2,5 cm Abstand zwischen Manschetten-Ende und Ellenbeuge bestehen.
  2. Zur Ruhe kommen
    Bevor Sie Ihren Blutdruck messen, sollten Sie sich fünf Minuten hinsetzen und ausruhen. Wichtig ist es auch, vor der Messung keinen Kaffee oder Alkohol zu trinken.
  3. Den richtigen Zeitpunkt wählen
    Damit sich ein verlässliches Gesamtbild von Ihrem Blutdruck ergibt, sollten Sie mindestens eine Woche morgens und abends Ihren Blutdruck messen. Noch besser wäre es, wenn Sie über einen Monat durchhalten.
  4. Richtig messen
    Es ist empfehlenswert, den Blutdruck zwei- oder dreimal in Folge mit einer Pause von einer halben Minute zu messen. Maßgeblich ist der Durchschnittswert der letzten beiden Messungen. Am Anfang sollten Sie den Blutdruck an beiden Armen oder Handgelenken bestimmen. Danach messen Sie nur noch an dem Arm, an dem sich höhere Werte gezeigt haben. Beim Messen sollten Sie den Arm ruhig auf einen Tisch legen. Beim Tragen einer Oberarmmanschette befindet sie sich dann automatisch auf Herzhöhe. Um das auch bei einem Handgelenksgerät zu erreichen, sollten Sie Ihren Arm entspannt am Körper halten.

 

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER | Unternehmenskommunikation

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