Um die Zahngesundheit von Pflegeheimbewohnern ist es nach wie vor nicht besonders gut bestellt. Und das, obwohl Zahnärzte inzwischen öfter Seniorenheime besuchen. Über mögliche Hintergründe informiert der aktuelle BARMER-Zahnreport.
Versorgung

BARMER-Zahnreport 2018

Obwohl Zahnärzte inzwischen häufiger zu Patientenbesuchen in die Altenheime gehen, ziehen diese keine zusätzlichen Therapien wie Reparaturen an Zahnprothesen nach sich. Zu diesem gleichermaßen überraschenden wie enttäuschenden Ergebnis kommt der aktuelle Zahnreport der Barmer. Die vor einigen Jahren eingeführten Neuregelungen bei den Abrechnungen hätten bisher „nicht den gewünschten Effekt“ gebracht, kritisierte die Krankenkasse.

Dazu muss man wissen: Um die Versorgung Pflegebedürftiger zu verbessern, können Zahnärzte seit den Jahren 2013 und 2014 den Besuch bei Heimbewohnern höher abrechnen. Doch laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie von 2016 leiden 64 Prozent der Pflegeheimbewohner unter Zahnfleischbluten und -entzündungen. Zudem sind 50 Prozent der Pflegebedürftigen in Heimen völlig zahnlos und damit deutlich mehr als bei Gleichaltrigen, die nicht in Pflegeheimen wohnen.

Damit sei die Reform für bessere Zähne im Pflegeheim zwar sicherlich gut gemeint gewesen, habe aber bislang ihr Ziel verfehlt, so der Vorstandsvorsitzende der BARMER, Prof. Dr. Christoph Straub. Es würden mehr Altenheimbewohner durch den Zahnarzt erreicht, und es gebe vermutlich auch Verbesserungen bei der Prävention – „definitiv aber nicht bei der Therapie“. Konkret erfolgte bei mehr als zwei Dritteln der Zahnarztbesuche am selben Tag keine therapeutische Leistung; bei mehr als der Hälfte sei dies auch innerhalb der folgenden 90 Tage nicht der Fall.

Dem Report zufolge wurden die neuen Leistungsziffern im Jahr 2016 hochgerechnet auf alle gesetzlichen Kassen 1,9 Millionen Mal abgerechnet. Doch nicht einmal einfache Therapieleistungen wie kleinere Reparaturen an Zahnprothesen hätten zugenommen, obwohl die Kassen 2016 bundesweit mehr als 55 Millionen Euro für die neuen Leistungsziffern ausgaben.

Das Ausbleiben von Therapien begründeten im Rahmen der Studie befragte Pflegeheimbetreiber und Zahnärzte vor allem mit der fehlenden zahnärztlichen Ausstattung im Heim und mit dem bürokratischen Aufwand rund um den Krankentransport zum Zahnarzt. Zudem würden sich manche Betroffene weigern, zum Zahnarzt zu gehen.

Um den Besuch von Pflegeheimbewohnern beim Zahnarzt nicht unnötig zu erschweren, forderte Straub, die Antragsverfahren für die Kostenübernahme von Krankenfahrten zu vereinfachen. Entsprechende Pläne gebe es bereits bei den Kassen und der Kassenzahnärztlichen sowie Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Claudia Rembecki

Redakteurin, BARMER Unternehmenskommunikation

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